Mittelbayerische Zeitung 16.12.1996

Oberpfälzer Musikförderpreis für Amberger Oratorienchor
Große Verdienste für 26 Jahre herausragende Arbeit
Trotz Finanzsorgen zwei große Konzerte für 1997 geplant

Von Birgit Schmid

AMBERG. Eine hohe Auszeichnung für 26 Jahre herausragende Chormusik: Für seine großen Verdienste um das Oberpfälzer Musikleben erhielt der Amberger Oratorienchor den begehrten und mit 4000 Mark dotierten „Musikförderpreis des Bezirks Oberpfalz 1996" Samstag abend im Stadttheater von Bezirkstagspräsident Hans Bradl.

Für die großen Verdienste des Amberger Oratorienchores um das Oberpfälzer Musikleben händigte den Vertretern des Chores Bezirkstagspräsident Hans Bradl (ganz rechts) den begehrten mit 4000 Mark dotierten Musikförderpreis des Bezirks Oberpfalz 1996 aus; ganz links Vizepräsidentin Ingrid Kurz. (Foto: Wolfgang Sander)

Als „ganz besonderen Chor unter den Oberpfälzer Laienchören" bezeichnete Bezirkstagsvizepräsidentin Ingrid Kurz in ihrer Laudatio den Oratorienchor, der durch seine beeindruckende musikalische Umrahmung der Feierstunde dieser Wertschätzung voll gerecht wurde. Stimmgewaltig, gefühlvoll und dennoch exakt intonierten die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Thomas Appel den „Festgesang" von Wolfgang Amadeus Mozart, „Macht hoch die Tür" und „Und unser lieben Frauen" von Max Reger.

Mit „Alta Trinitá beata" aus dem Italien des 15. Jahrhunderts und dem geistlichen Volkslied „Maria durch ein Dornwald ging" aus dem 16. Jahrhundert nach dem Satz von Karl Haus begeisterte der Chor das nur zu einem Drittel, aber mit hochrangigen Vertretern von Politik und Wirtschaft besetzte Stadttheater. Die klare und ausdrucksstarke Artikulation machte das Festkonzert zu einem musikalischen Ohrenschmaus, der die Zuhörer mit dem Psalm „Machet die Tore weit" von J. Heinrich Lützel feierlich auf die Vorweihnachtszeit einstimmte.

„Der Amberger Oratorienchor hat dazu beigetragen, die Oberpfalz als Kulturregion hohen Ranges nach außen darzustellen" betonte Ingrid Kurz in ihrer Festrede, die sie in Vertretung des stimmlich erkrankten Bezirkstagspräsidenten Bradl hielt. Der Chor habe sich sehr anspruchsvoller Chorliteratur mit überwiegend geistlichen Inhalten verschrieben. Das enorme Leistungsvermögen des Chores umfasse geistliche Musik von Bach bis Bruckner, aber auch eine Vielzahl von weltlichen Chorliedern alter und zeitgenössischer Meister.

Kurz dankte den Chormitgliedern für ihr großes Engagement und die harte Probenarbeit, die notwendig sei, um eine solche Bandbreite anspruchsvoller Musikliteratur abzudecken. Allen bisherigen Vereinsvorsitzenden und Chorleitern sprach die Bezirkstagsvizepräsidentin ihre Anerkennung dafür aus, daß sie den Oratorienchor zu einem „angesehenen Chor über die Grenzen Ambergs hinaus und zu einem wertvollen Bestandteil des Kulturlebens der Stadt" gemacht haben.

Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer gratulierte dem Chor zu seiner Auszeichnung und verwies auf den hohen Stellenwert, den der Chor innerhalb der Stadtkultur einnehme. Die Tradition des Chorgesangs sei in Amberg stets auf hohem Niveau gepflegt worden, was zur großen kulturellen Vielfalt der Stadt beigetragen habe. Trotz knapper werdender Haushaltsmittel habe der Stadtrat bisher keine Kürzungen bei der Kultur vorgenommen.

In seiner 26jährigen Geschichte habe der Oratorienchor in über 60 Konzerten attraktive Chormusik für fast jeden Geschmack geboten, sagte 1. Vorsitzende des Chores, Uta Reiff, in ihrem Dank. Als Nachfolgechor der 1951 gegründeten Singgemeinschaft Englhardt habe der Oratorienchor stets ein breites Repertoire von der Renaissance bis zur Gegenwart gezeigt, um möglichst viele Zuhörer zu begeistern.

Als „allmählich prekär" bezeichnete Reiff die Nachwuchsproblematik und die Finanzlage des Chores. Allein der jährliche Zuschuß der Stadt ermögliche es dem Chor, größere Konzerte zu geben. Der Chor wolle vor allem einheimische Orchester engagieren, die zumeist teurer als ausländische Ensembles seien. Um diese Zielsetzung zu verwirklichen, sei der Chor in einer Zeit geringer werdender Zuschüsse auf Spenden angewiesen. Zur Verbesserung der finanziellen Lage sei deshalb geplant, einen Förderkreis mit dem Namen „Freunde des Amberger Oratorienchors" zu gründen.

Trotz aller Sorgen blicke der Oratorienchor mit großem Optimismus in das nächste Jahr, so Reiff. Die 1. Vorsitzende kündigte für das Frühjahr 1997 ein großes weltliches Konzert, die „Jahreszeiten" von Haydn, und für den November das „Requiem" von Mozart als geistliches Konzert an. Chorleiter Thomas Appel schloß sich in seinem Schlußwort der Bitte von Uta Reiff um finanzielle und ideelle Unterstützung an. Es werde immer schwieriger, vor allem junge Menschen zu bewegen, einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. „Dabei ist Musik ist die schönste Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren und eine Gemeinschaft aufbauen", so Appel.


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Letztes Update: 2005-04-24