Amberger Zeitung - 05.02.2009
Amberg
sucht die Jubiläumssänger
Großer Andrang beim Vorsingen für „Carmina
Burana“ – Projektchor wächst auf über 200 Aktive
Von Heike Unger
Verstärkung für die Bässe und Tenöre: Überraschend viele Vertreter des sonst in Chören eher schwach vertretenen starken Geschlechts kamen zum Vorsingen für die „Carmina Burana“. Das, was die Herren am Dienstag in der Klangwerkstatt aus dem Stegreif zum Besten gaben, klang schon wie ein echter Chor. Da männliche Stimmen immer gebraucht werden, können sich Nachzügler auch jetzt noch bei Thomas Appel melden – allerdings möglichst bald, denn für die Sänger beginnt jetzt die intensive Phase der Probenarbeit. Bilder: Stephan Huber
Amberg. „Damit hab’ ich nicht gerechnet.“ Thomas Appel ist hoch erfreut über den großen Andrang: 13 Männer und 28 Frauen sind der Einladung des musikalischen Leiters der „Carmina Burana“-Aufführung anlässlich des Stadt-Jubiläums gefolgt. Sie wollen sich dem großen Projektchor anschließen. Ob sie das Zeug dazu haben, soll ein Vorsingen zeigen.
Es ist kein Casting, das an diesem Dienstagabend in der Klangwerkstatt über die Bühne geht. Das hatte Appel im Vorfeld schon betont: Keine Jury, keine Recall-Zettel – und verbal „fertiggemacht“ und öffentlich bloßgestellt wird auch keiner. Amberg sucht keinen Superstar, sondern Menschen, die Spaß am Gesang haben. Und so geht es bei diesem Vorsingen auch nicht um Einschaltquoten, sondern darum, sangesfreudigen Frauen und Männern die Teilnahme an einem der herausragenden kulturellen Ereignisse im Amberger Jubiläumsprogramm zu ermöglichen.
Viele Interessenten hatten bei Appel und im Kulturamt die Telefone heiß laufen lassen – mit der Frage, ob sie nicht auch bei der „Carmina Burana“- Aufführung mitsingen könnten. So entstand die Idee des Vorsingens. Doch bevor es damit losgeht, muss Appel erst einmal sortieren. Die Herren machen den Anfang. „Die Bässe bitte links, die Tenöre rechts“, ordnet der Chor- und Orchesterchef die Stimmlagen. „Und wer sich nicht sicher ist, bei dem werden wir es heute rausfinden.“ Genau darum geht es: prüfen, wer welche Stimmlage der bereits gesetzten drei Chöre – der Amberger Oratorienchor, die Amberger Chorgemeinschaft und der Unterstufenchor des Max-Reger- Gymnasiums – verstärken kann.
„Interessieren tät’s mich“
Ein junger Mann erklärt seinem Sitznachbarn, was ihn hergeführt hat: „Ich hab’ immer wieder mal gesungen, im Kirchenchor und so. Man hat mir gesagt, ich kann singen: Schau’ ma mal, ob’s mich nehmen. Interessieren tät’s mich.“ Den meisten anderen geht es ähnlich. Thomas Appel freut sich, „dass so viele Männer hergefunden haben“. Da gerade das starke Geschlecht in Chören immer schwach vertreten ist, hofft er gerade bei den Bässen und Tenören auf zusätzliche Stimmen für den großen Projektchor.
Keine große Vorrede, es geht gleich los: Einsingen ist angesagt. „Stehen Sie doch mal auf“, bittet Appel die Herren – und „immer schön locker“. Der Chorleiter spielt am Klavier eine Tonfolge vor, die die Männer nachsingen sollen, „bitte mal auf ,ü’“. Die Herren intonieren ein kräftiges und harmonisches „Üjüjüjüjüjüjüjüjüjüjüjü“. Der Laie staunt: Das klingt schon wie ein richtiger Chor. „Ganz ohne Anstrengung“, ermuntert Appel die Sänger, „das Einsingen ist ja nur zum locker werden“. Dem „Ü“ folgt ein „Mamamamama“, dann ein schnelles „Noanoanoa“ und schließlich ein „Jajajajaja“: Letzteres führt die Bässe etappenweise immer tiefer, die Tenöre immer höher, um zu testen, wie weit sie dabei kommen. Nach zehn Minuten weiß jeder, ob er ein hoher oder tiefer Bass oder doch ein 1. oder 2. Tenor ist. „Das war’s eigentlich schon. Schön, dass wir noch ein paar Bässe gefunden haben“, bedankt sich Appel für die Sangesfreude und lädt die Herren gleich zur ersten gemeinsamen Probe mit dem Oratorienchor am Dienstag kommender Woche ein.
Anfangs noch ein wenig skeptisch: Die weiblichen Chor-Interessentinnen wissen nicht recht, was beim Vorsingen auf sie zukommt. Thomas Appel beruhigt sie: er macht kein Casting, er sucht einfach nur Menschen, die Spaß am Singen haben und in seinen Projektchor passen.
Dann sind die Damen an der Reihe: Im Vorraum des Probensaals scharen sich die Interessentinnen. Doch das ist die einzige Gemeinsamkeit mit dem TV-Casting. Denn anders als im Fernsehen können alle Teilnehmer des „Carmina“-Vorsingens singen. Allerdings reicht es bei einigen noch nicht für ein solch großes, anspruchsvolles Werk wie die „Carmina Burana“. Es zu singen, sagt Appel, „geht schon an die Substanz, der Chor fährt da an der Grenze – das ist vom Komponisten auch so gedacht“.
Fast alle dürfen mitmachen
Appel erklärt das daraus resultierende „Nein“ an einzelne Interessenten sehr charmant – und auch nicht öffentlich, denn die Damen singen nach dem gemeinsamen Aufwärmen einzeln in einem Nebenraum vor: Bei den Männern könne man die Stimmen auch bei gemeinsamem Singen gut voneinander differenzieren, bei den Frauen, insbesondere in dieser großen Zahl, hört sich der Chorleiter die Stimmen lieber einzeln an.
Am Ende ist Appel hoch zufrieden: Fast alle, die heute vorgesungen haben, können mitmachen. Besonders erfreut ist er, dass so viele Männer dazu gekommen sind – und über die bunte Mischung an Altersstufen und musischer Vorbildung. Schul-, Kirchenchor und andere Sängergruppen, alles ist vertreten: „So, wie’s gedacht war.“ Damit werden über 200 Sänger bei dem großen Open Air zu hören sein: „Toll“, freut sich Appel – auch wenn ihm und seinen Mitstreitern bis dahin noch einiges an Probenarbeit bevorsteht.
Vorverkauf
Auch wenn die Proben für das große Open Air mit den „Carmina Burana“ erst jetzt richtig anlaufen: Der Vorverkauf für das Konzert im Innenhof des Malteserkomplexes am Samstag/Sonntag, 18./19. Juli, beginnt bereits heute. Die Tickets gibt es in der Tourist Information (Hallplatz) in zwei Kategorien: Plätze in den Reihen 1 bis 9 kosten jeweils 30 Euro (ermäßigt 23 Euro), in den Reihen 10 bis 18 sind sie für 27 Euro (20 Euro) zu haben. Eine kurzfristige Verlegung ist bei einem Konzert mit so vielen Beteiligten nicht möglich: Deshalb wird das Open Air auch bei jeder Witterung wie geplant stattfinden.
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Letztes Update: 2009-02-05