Amberger Zeitung  November 1994

Ernst und heiter durch fünf Jahrhunderte
Der Amberger Oratorienchor und das Danuvius-Quintett musizierten gemeinsam im Stadttheater

Amberg. Für fast jeden Geschmack, für jede Stimmungslage und aus allen Stilepochen etwas versprach das Thema "Ernst und heiter durch fünf Jahrhunderte". Und das Programm enttäuschte nicht: "Ur-Schlager" erklangen vor fezigen Evergreens, romantische Naturempfindungen wechselten mit trockenen Sprüchen. Der "Amberger Oratorienchor" unter der Leitung von Günther Jung und das "Danuvius-Blechbläser-Quintett" hatten einen attraktiven Sonntagabend zusammengestellt.

"Nun fanget an, ein gut's Liedlein zu singen" von H. L. Haßler setzte einen etwas zaghaften Beginn für eine chronologisch geordnete Reihenfolge anspruchsvoller Stücke. Sauber gestimmte Akkorde mit mustergültiger Absprache bestachen bei P. Peuerls "0 Musica". Der Amberger C. Othmayr war mit "Mir ist ein feins brauns Maidelein" vertreten. Die akustischen Möglichkeiten der Bühne des Stadttheaters nutzte der Solo-Chor mit dem "Echo" für interessante Effekte. Deutlich herausgearbeitete Lautstärkenabstufungen kennzeichneten das Landsknecht-Ständchen", ebenfalls von 0. di Lasso. Die Lebensbejahung dieser alten Chorsätze wäre erst durch lebhaftere Tempi zur Geltung gekommen, J. Haydn war mit zwei Chorliedern vertreten: einem glaubwürdig dargestellten "Greis", der den Tod als willkommene Erlösung empfängt, und der plastischen "Beredsamkeit". Gelungene Lautmalerei konnte hier nicht über die hörbar heiklen Einsätze hinwegtäuschen. Brahms-Lieder zeichnen sich aus durch ein hohes Maß an harmonischer Dichte. Dadurch legten sie jede kleine Intonationsunsicherheit an den Tag. "Beherzigung", "Abendständchen" und "Waldesnacht" ließen die Augen der Sänger zwischen den Notenzeilen verschwinden, die rhythmische Verwobenheit lockerte sich trotz aufwendiger Dirigentensignale.

Den Sopranistinnen wäre etwas mehr sängerisches Selbstbewußtsein zu wünschen gewesen. Dann hätten sie wie die anderen Stimmgruppen sicher den angestimmten Ton in einen homogenen Chorklang verwandeln und ihrer vielfachen, Führungsrolle gerecht werden können. In einem brav-metrisch geratenen "Lob auf die Musik" stellt H. Distler die Macht der Töne dar. Um den gleichen Aussagegehalt herum, aber etwas "moderner", komponierte H. Lau: "Was kann doch auf Erden". Stabile Männerstimmen bildeten das Fundament für drei "Schmunzelnde Weisheiten" von H. Rübben.

Ein bläserisches Feuerwerk vom Feinsten zündeten die Straubinger Gäste. Ob die lebhaften Fanfaren aus Monteverdis "Orfeo" oder das engagierte Posaunenduett aus der "Battle Suite" von S. Scheidt - es sprühte nur so. Paul Windschüttl (Trompete), Hans Zellner (Trompete), Lothar Dietl (Horn), Helmut Schätz (Posaune) und Auwi Geyer (Baßposaune) scheuten keine technische Klippe. Im kontrastreichen "Fancies, Toyes and Drearns" von G. Farnaby ließen sie ihr Gefühl für rhythmische und farbige Qualitäten spüren. Bravourös meisterten sie das streckenweise artistisch anmutende "Brass Quintett" von J. Koetsier und erzeugten in Ausschnitten aus der "West Side Story" von L. Bernstein auch noch jazzigen Sound.

Der anhaltende Schlußapplaus war der Dank des Publikums für die geleisteten Mühen der Aktiven. Er zeigte aber auch, daß sich die fünf Bläser bereits in die Herzen der Amberger gespielt haben.

Hannelore Zapf-Wolf


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Letztes Update: 2000-08-04