Amberger Zeitung 27.07.2004

Ein Halt auf der Reise in die Vergangenheit
Oratorienchor präsentiert Werke von Orlando di Lasso und anderer Komponisten der Renaissance

Von Johann Frischholz 


Amberg. Auf der musikalischen Reise in die Vergangenheit ist der Amberger Oratorienchor im Zeitalter der Entdeckungen angelangt. In der Renaissance wurden Chorleiter Thomas Appel und seine singenden Mitstreiter fündig. Heinrich Schütz, Orlando di Lasso und Palestrina sind nur einige der Namen, die den Programmzettel des Benefizkonzerts in der Dreifaltigkeitskirche zierten.

Am Samstagabend entführte der Chor seine Zuhörer in die Welt der frommen Gesänge des 15. bis 17. Jahrhunderts. Dem finsteren Mittelalter gerade entwachsen und kurz vor der Schwelle zur heiter-opulenten Barock-Ära entwickelte sich eine vielfältige Chorliteratur, die leider heute im Konzertbetrieb noch nicht die verdiente Würdigung erhält und die der Wiederentdeckung harrt.

Dem Amberger Oratorienchor kommt mit diesem Programm schon fast die Rolle eines avantgardistischen Vorreiters zu, der seinem Publikum diese wunderbaren Delikatessen aus längst vergangener Zeit servierte. In bestechender Klarheit boten die Sängerinnen und Sänger die mehrstimmigen Chorwerke dar. Die einzelnen Vokalgruppen korrespondierten harmonisch, wobei die Soprane meist die Führung übernahmen und sich vor allem in den hohen Lagen als äußerst stimmsicher erwiesen. Stimmungsvoll und mit gläubiger Inbrunst intonierte der Oratorienchor unter anderem das "Vater unser" von Heinrich Schütz. Auch einen kleinen Ausflug in die Gegenwartsmusik unternahmen die Sängerinnen und Sänger mit dem Chorsatz "Ubi caritas" von Marcel Durufle, der den meisten als Komponist und Interpret von Orgelwerken bekannt sein dürfte.

Eine besondere Spannung erhielt das Konzert dadurch, dass Dirigent Thomas Appel nach jeweils drei Chorstücken an die Orgel wechselte, um zusammen mit Trompeter Franz Badura zwei Werke großer Barockkomponisten zu spielen. Leider bildete die D-Dur-Suite von Georg Friedrich Händel nicht den erwünschten heiter-barocken Gegenpol zu den Chorwerken.

Zu breit angelegt kam das Werk daher, und das nicht nur in den langsamen Sätzen. Einzig im abschließenden Marsch blitzte ein wenig der festliche Charakter von Händels Musik auf. Ähnlich verhielt es sich auch bei der Sonate in D-Dur von Henry Purcell. Thomas Appel und Franz Badura ließen sich wohl von der Herkunft des Komponisten beeinflussen und interpretierten das Werk britisch-unterkühlt, aber dennoch in technischer Hinsicht recht ansprechend.

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Letztes Update: 2004-08-02