Amberger Zeitung 23.12.1998

Auftritt stand unter einem guten Stern

Amberger Oratorienchor leistete Beachtenswertes 
Harmonischer Klangkörper

AO

VON PETER NEUBAUER

Amberg. Das Konzert des Amberger Oratorienchores unter der Leitung von Thomas Appel stand unter einem guten Stern. Die adventliche Einstimmung der vielen Zuhörer in der gut besetzten Dreifaltigkeitskirche gelang über ein Programm-Mix von romantischer Chormusik mit instrurnentalen Auflockerungen. Der Würzburger Trompeter Matthias Wallny stellte dabei seine Extraklasse unter Beweis, während andererseits das Amberger Streichquartett "Orphée" unter der bedächtigen Aufsicht vorn Matthias Grünewald einen beachtlichen Beitrag zu diesem Konzert leistete.

Chor hat sich stark verbessert

Der Amberger Oratorienchor hat sich in den letzten Jahren- stark verbessert und ist gegenüber früheren Auftritten nicht wiederzuerkennen. Gerade in der ansonsten doch so schweren Kunst der A-capella-Musik leistete der Chor an diesem Abend Beachtenswertes. In den drei Adventsmotetten von Joseph Rheinberger in lateinischer Sprache wurde eine fast liturgische Atmosphäre geschaffen. Dabei gelang dem Chor ein spannungsreicher Vortrag und der fiel als ein harmonischer Klangkörper positiv auf.

Das auffälligste Merkmal chorischer Kunst war der von Thomas Appel streng durchgeführte Strophen-Modus, wie er bei Regers Motetten hervortrat. Damit ist gemeint, daß der Chor die Texte der einzelnen Strophen quasi uninterpretiert wiedergab, was im Vergleich mit der Amberger Chorgemeinschaft wenige Tage zuvor gegensätzlich dargestellt wurde. Hier zeigt sich auch eine angenehme stilistische Vielfalt der großen beiden Amberger Chöre. Besonders herausragend die strenge Legatosingweise, wie sie in "Kommt und laßt uns Christen ehren" von Max Reger exzellent dargestellt wurde.

Der Chor beschränkte sich auch darauf, alle Stücke in einem relativ breiten Tempo zu singen. Damit wurde man dem großen Chorapparat mit seiner Vielzahl von Sängern gerecht. Es wäre vielleicht nur zu wünschen gewesen, daß man sich beispielsweise in Regers Motette "Und unser lieben Frauen" wenigstens einmal zu einem absoluten piano hätte durchringen sollen. Gerade diese Motette bietet dann im zweiten Teil einen brausenden Aufbruch, wenn es heißt: Herr Jesus Christ, der Heiland, ist unser Heil und Trost. Dieser Gedanke, der wie ein Aufschrei christlicher Werte zu verstehen ist, hätte so noch intensiver werden können.

Zur Eröffnung des gut anderthalbstündigen Konzertes kam ein Concerto in Es-Dur für Orgel und Trompete, von Johann Georg Neruda zu Gehör. In den drei Sätzen bewiesen Thomas Appel und Matthias Wallny ihr großes künstlerisches Können, obwohl hier feinste Abstimmungen auch nicht immer gelangen. Viel besser glückte dies bei der viersätzigen Sonate in C-Dur von

Jean Baptiste Loeillet, die nach einem bewegten Schlußsatz in einen strahlenden Schluß mündete. Die Regierung war so ausgewählt, daß Klang und Raum harmonisch miteinander verschmolzen. Dies gelang über eine besonders durchdachte Grundregistrierung der Orgel, die so einen angenehmen Kontrast zur strahlenden Trompete erbrachte.

Als ausgesprochen beachtenswert kann man vier junge Amberger Künstler ihr Können eindrucksvoll demonstrierten. Nadine Reitzenstein und Susanne Zippe (Violine) sowie Simone Hoffmann (Viola) und Elisabeth Kohl (Cello) ließen das halbstündige Streichquartett von Mozart wahrsten Sinne des Wortes erklingen. Mit interessanten Akzentuierungen im zweiten Satz oder der großartigen Doppelfuge im letzten Satz lang ein wesentlicher Kontrapunkt zur chorisch-romantischen Musik. Beachtlich auch, wie man sich trotz eines kleinen Ausrutscher wieder befreite und so seinen Teil zum Gelingen des Konzertes beitrug.

Beeindruckendes Ende

Am Ende gab es noch ein "Machet die Tore weit von Heinrich Lützel, das der Amberg Oratorienchor unter der Leitung von Bruno Martin sang. Thomas Appel bereitet sich derweil auf ein besonders beeindruckendes Ende an der Orgel vor. Mit der Komposition von Richard Bartnuß, dem "Mache dich auf, werde Licht", konzertierten großer Chor und Orgel zusammen,  wobei die romantischen Harmonien dem Chor besonders zu liegen schienen. Am Ende ein brausender Schluß im Orgeltutti, dem der Chor durchaus noch Paroli bieten konnte.

Nach diesem hinreißenden Schluß gab es viel Applaus, für den man sich mit einer Zugabe bedankte, dem Lied "Ein Kind geborn zu Bethlehem" von Bartholomäus Gesius. Diese Komposition aus der Wende um das 16. Jahrhunderts konnte in seiner Schlichtheit deswegen überzeugen, weil auch der Chor es wieder einmal verstand, ohne große Theatralik und mit sauberer Technik einen stimmungsvollen Schluß zu setzen.


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Letztes Update: 2000-08-05