Amberger Zeitung 23.04.2002

Klangmonumente überragend dargeboten
Amberger Oratorienchor und Sinfonieorchester begeistern mit Beethovens "Missa solemnis"

Beethoven, Missa Solemnis

Ein Erlebnis war die Aufführung von Beethovens "Missa Solemnis" im ACC, dargeboten vom Amberger Oratorienchor, dem Amberger Sinfonieorchester und Gesangssolisten (Bild: Steinbacher)

VON MARTIN TROSBACH

Amberg. "Wenn der Töne Zauber walten und des Wortes Weihe spricht, muss sich Herrliches gestalten, Nacht und Stürme werden Licht ..." Geht man nach diesem Zitat aus Beethovens Fantasie in c-moll, so sollte aus dem Vorhaben Thomas Appels, zusammen mit dem Amberger Oratorienchor, dem Amberger Sinfonieorchester und auswärtigen Solisten Beethoven'sche Klangmonumente musikalisch zu erbauen, Herrliches werden- und diesem hohen Anspruch kamen die Ausführenden Sonntagabend im ACC bei gut gefülltem Hause recht nahe.

Quasi einleitend erklang die Chorfantasie mit Soloklavier op. 80, welche von Anfang an den besten Eindruck hinterließ. Hatte Jelena Lichtmann zunächst mit dem schwierigen kadenzartigen Soloauftakt noch etwas forciert begonnen, so spielte sie sich zunehmend frei und Appel holte aus dem oft kammermusikalisch geforderten Orchester fein differenzierte Klänge heraus, ehe er nach dem Choreinsatz "Schmeichelnd hold und lieblich" auch dramatischere Energien entfalten ließ und den Höhepunkt bei "Wenn sich Lieb und Kraft vermählen" straff einforderte.

Engagierte Konzentration

Das Orchester ließ sich gerne fordern und verblüffte mit nuanciertem Zusammenspiel und engagierter Konzentration, die erst ganz am Ende des Abends etwas nachließ. Das sicherlich nicht einfach zu organisierende Projekt "Amberger Sinfonieorchester" scheint damit wahrhaftig auf soliden Beinen zu stehen. Thomas Appel und dem Chor scheinen die großen, dramatischen Bögen zu entsprechen, was für einen Oratorienchor ja durchaus von Vorteil ist, intonatorisch hatte der Chor allerdings bei der Chorfantasie noch etwas zu kämpfen, was sich mit zunehmenden Eingesungensein allerdings weitgehend verlor.

Und dann das Hauptwerk des Abends, Beethovens Spätwerk, die "Missa solemnis", eine durch und durch säkularisierte Messe, die im Konzertsaal wirklich besser aufgehoben ist als in der Kirche. Das Werk verlangt von den Ausführenden ein Höchstmaß an Spannung und innerer Präsenz, welche Appel mit verständlicher und inspirierender Schlagtechnik aufrechterhalten konnte.

Im einleitenden Kyrie gelang dies beeindruckend: einwunderbarinniger Beginn fesselte sofort, emotionales Engagement war bei Chor, Orchester und den Solisten spürbar. Das Solistenquartett, aus Wien, München, Hannover und Köln zusammengerufen, vermochte diese Höhe allerdings nicht immer zu halten, wohl begründet in der Verschiedenartigkeit der individuellen gesanglichen Auffassung. Xenia Constandinides und Thomas Ogilvie, Alt und Bass, präsentierten füllige, körperbetonte Stimmen, sensibel geführt .... Jutta Fries, als Sopranistin am meisten gefordert, führte souverän an und gewann die Sympathien des Publikums.

"Introvertierte Ekstase"

Ebenso der Oratorienchor, der bis an die äußersten Grenzen gefordert war. Wenngleich im "Credo" mit seinen unbarmherzigen Höhen ein Nachlassen der Kraft zu spüren war, erholte sich der Chor immer wieder schnell und zeigte aufs Neue, daß er mit Schwung und Kraft zu agieren weiß. Dies brachte bei der technisch sehr schwierigen Schlussfuge des "Credo", welche dem Chor rasante Koloraturen zumutet, beachtliche Ergebnisse!

Innerlicher Höhepunkt der Missa ist wohl das lyrisch weit auskomponierte "Benedictus" mit seinem Violinsolo. Brigitte Gerlinghaus als Violinsolistin wurde hier zum heimlichen Star des Abends: Was sie an gelassen schwingender und tief mitempfundener Interpretation bot, war begeisternd.

Und so konnte man als Hörer die "introvertierte Ekstase" dieser geheimnisvollen Musik nachempfinden, während die etwas konstruierten Längen des 'Agnus Dei" mit kriegerischen Einwürfen im Orchester die Hörer dann nochmals vor einige Herausforderungen stellten, Ansprüche, die von den Mitwirkenden souverän gemeistert wurden. Tosender Applaus belohnte eine Aufführung, die mit ihrem Mut und ihrer Stringenz, sich größten Anforderungen zu stellen, in Amberg wohl Seltenheitswert hatte!


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Letztes Update: 2003-04-02