Amberger Zeitung 23.03.2004
Voller Präzision, Harmonie
und Strahlkraft
Oratorienchor bietet seinen Zuhörern
Haydns "Schöpfung" in perfekter Manier - Überzeugende
Gesangssolisten

Die lange und intensive Vorbereitungszeit hat sich gelohnt: Unter der Leitung von Thomas Appel ließ der Oratorienchor am Sonntagabend im gut besuchten ACC mit Joseph Haydns "Schöpfung" beim Publikum keine Wünsche offen (Bild: gf)
Amberg. Lob braucht jeder Musiker. Und eine große Portion davon gebührt dem Oratorienchor mit seinem Leiter Thomas Appel. Mit großem Engagement, Mut zum Risiko, persönlichem Einsatz und beeindruckender Musikalität bescherte der Traditionschor den Ambergern am Sonntagabend im ACC Joseph Haydns "Schöpfung". Das Resultat konnte sich sehen lassen.
Nicht zuletzt trugen das vorzüglich disponierte Sinfonieorchester (Konzertmeisterin: Valeri Rubin) sowie die exzellenten Gesangssolisten Vardeni Davidian (Sopran), Hans Sojer (Tenor) und Thomas Gropper (Bass) zum großen Erlebnis bei. Appel setzt nicht auf große Gesten, sondern belebt sein Dirigat durch feine Nuancen von Farb- und Schattenwirkung. Dramatischer Aufbau, tänzerischer Schwung, obsessive Bodenhaftung - seine Musiker müssen wie auf einem Nadelkissen sitzen und haarscharfe Präsenz wahren. Das gelang, bis auf anfängliche, kleine, leicht verwackelte Einsätze perfekt.
Es heißt, der Komponist, der drei Jahre lang an diesem Mammutwerk gearbeitet hat, habe täglich auf den Knien Gott um Kraft gebeten. Drei Jahre waren die Ausführenden nicht mit der Vorbereitung beschäftigt, aber die letzten drei Monate doch wirklich intensiv dabei. Die Präzision und die Interpretation des Chors, die Harmonie und die Strahlkraft können wohl auch nur durch soviel Übung und Einsatz erreicht werden. "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde . . ." - Der Erzengel Raphael spricht die ersten Worte der Schöpfungsgeschichte, der Chor setzt ein und bei den Worten "und es ward Licht" klingt ein heller C-Dur Akkord im Fortissimo auf. Symbol des Werdens, Symbol des Erschaffens, Zeichen für ergreifende Harmonie zwischen dem Chor und der hellen Bassstimme des Thomas Gropper. Ihm gelangen noch großartige Bildmalereien der schäumenden Wellen, der Felsen und Ströme. In dieser Bildhaftigkeit stand ihm Sopranistin Vardeni Davidian in nichts nach. Sie entlockte ihrem Gesang den Charme der Vogelstimmen und wusste das Schöpfungsgeschehen zu vermitteln.
Orchester und Tenorstimme fanden sich grandios in der Erschaffung des Himmelsraums. Die Töne erfüllten den Saal, schwollen zu höchster Vollendung und trafen sich im Glanz von Sonne, Mond und Sternen, als Hans Sojer "den vierten Tag mit himmlischem Gesang" und seiner ausdrucksstarken Stimme verkündigte. In lyrischen Arien und dramatischen Rezitativen reflektiert Haydn im zweiten Teil seiner Tondichtung die Erschaffung der Tiere und im dritten Abschnitt widmet er sich den beiden ersten Menschen, Adam und Eva im Paradies. Rund 150 Minuten lang hielten Konzentration, Wachheit und Spannung. Bis zum Schluss blieb das Publikum bei der Stange, um sich schließlich mit stürmischem Applaus für dieses große Konzertgeschenk zu bedanken.
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Letztes Update: 2004-04-09