Amberger Nachrichten 22.4.2003

Bei allem Leid gibt es doch Hoffnung
Gelungene Brahms-Aufführung mit Oratorienchor und Sinfonieorchester am Karfreitag

VON HELMUT R. SCHEUCK

Unter Leitung von Thomas Appel boten der Oratorienchor, die Amberger Sinfoniker und die Solisten eine großartige Interpretation des Requiems (Foto: ack)

AMBERG. Sicherlich eine gute Wahl für eine Veranstaltung am Karfreitag war die Aufführung von "Johannes Brahms „Ein Deutsches Requiem" im Amberger Congresszentrum. Unter Leitung von Thomas Appel hatten sich der Oratorienchor und die Amberger Sinfoniker dieses Meisterwerk auserkoren, um an diesem nachdenklichen Feiertag musikalisch auf die Karwoche einzugehen. Als Solisten konnten Jutta Fries, Sopran aus Hannover, und Thomas Ogilvie, Bassbariton aus München, gewonnen werden.

Mit diesem bedeutenden Werk ist der Komponist Johannes Brahms neue Wege im musikalischen Bereich gegangen. Ganz bewusst hat der Meister auf die Textverständlichkeit Wert gelegt, Was bis dato bei ähnlichen Werken weitgehend nicht der Fall war. Inspiriert wurde er wohl dabei von der Motette aus der protestantischen Kirchenmusik. Anlass zu seinem Werk war der Tod seines Freundes Robert Schumann, zu dem ihn eine innige Freundschaft verband und dessen Frau Clara er über alle Maßen verehrte.

Die ersten beiden Satze begann Johannes Brahms ab 1861 zu komponieren, doch erst nach dem Tod der Mutterl865 fuhr er in der Arbeit des Requiems fort und vollendete 1866 die Sätze VI und VII. Zum ersten Male vollständig wurde das Werk im Jahre 1869 im Leipziger Gewandhaus aufgeführt. Zuvor hatte der Meister selbst eine vorläufige Uraufführung am Karfreitag 1868 im Kölner Dom dirigiert. Diese „Katholische Totenmesse" von Brahms erfreute sich im deutschsprachigen Raum bald außerordentlicher Beliebtheit und ist das wohl meist aufgeführte oratorische Werk.

Der Intention gerecht

Die Amberger Sänger und Musiker unter Leitung von Thomas Appel zeigten auf beeindruckende Art und Weise, dass sie in der Lage sind der Musik und der Intention des Meisters gerecht zu werden. Ständig war zu wechseln zwischen dramatischen und expressiven Abschnitten. Dadurch gaben sie gekonnt die dem Werk inne liegende, ungeheuere Spannung wieder.

Gerade dies aber begeistert den Musikliebhaber am Brahms Meisterwerk. Damit war es ihm gelungen im christlichen Sinne mittels seiner Musik aufzuzeigen, dass bei allem Leid auf Erden auch Hoffnung und Gewissheit auf Erlösung dem Menschen in Aussicht gestellt wird. Diese Situation wusste er mit seinem Requiem wunderbar in Musik zu fassen.

Chor und Orchester gaben den Wechsel dieser Gefühle bestens wieder und überzeugten vom gesanglichen Volumen her, aber auch vom musikalischem Ausdruck und von der Interpretation des Meisterwerkes. Positiv abgerundet wurde die Aufführung von den insgesamt drei Solopartien der Vokalsolisten. 

Dem Chor und Orchester sei für einen stimmungsvollen Karfreitagabend gedankt. Die Musiker hatten sich den begeisterten Applaus des Auditoriums zu Recht für ihre musikalische Meisterleistung verdient.


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Letztes Update: 2003-04-22