Amberger Zeitung - 18.04.2006

Ein Werk voller Demut und Dramatik 
Dvoráks Requiem erstmals in Amberg aufgeführt - Karfreitags-Jubiläumskonzert mit dem Oratorium für Soli, Chor und Orchester 

AO beim Dvorák-Requiem

Amberg. Wer wagt gewinnt! Thomas Appel, der Amberger Oratorienchor und das Amberger Sinfonieorchester haben es gewagt und - wie es das Sprichwort sagt - auch gewonnen. Am Karfreitagabend boten sie im ausverkauften Amberger Congress Centrum Antonin Dvoráks "Requiem" als Erstaufführung in Amberg und als Jubiläumskonzert "10 Jahre ACC". Das 1890 entstandene Werk ist ergreifend, voller Demut und Dramatik, aber auch gespickt mit Bildkraft und Inspiration.

Charakteristisch ist die Übereinstimmung von Textinhalt und musikalischem Ausdruck. Dies verleiht dem Werk seine Vielfalt. Dabei kommt es doch ohne Pathos aus. Der Amberger Oratorienchor setzte dies punktgenau um. War anfangs noch einige Nervosität spürbar, so bestachen die Chorsänger vor allem nach der Pause durch schlanke, gerade Stimmführung, akkurate Artikulierung, astreine Intonation und eine atemberaubende Dynamik. Dies machte die Chorsätze mehr und mehr zu Kleinodien.

Ausgewogenes Klangbild

Sopran und Alt waren frisch und hell bis zur letzten Note, die Männerstimmen dezent, aber prägnant. Insgesamt gefiel das ausgewogene Klangbild des Chores, der sich auf grandiose Steigerungen ebenso verstand wie auf zarte Einschübe. Mit einem konturenscharf und mitreißend gesungenen "quam olim Abrahae" eröffnete der Chor den zweiten Teil des Requiems. Es wurde getupft, nicht gestemmt! Diese besondere Leistung schaffte der musikalische Leiter Thomas Appel brillant. Ihm gelang es, die Einheiten routiniert zusammenzuführen. Dank der mustergültigen Realisierung durch das Orchester entfalteten die reizvollen Instrumentationseffekte der Partitur nachhaltige Wirkung.

Wie aus dem Nichts ließen es die Streicher der dicht und klangschön spielenden Amberger Symphoniker zu Beginn aufsteigen, der Chor spannte einen eindrucksvollen Bogen vom düster-verhaltenen Beginn des "Requiem aeternam" bis zum lichterfüllten, hymnische Kraft entwickelnden "et lux perpetuam". Das Orchester folgte Appels behutsamer Führung und gefiel durch weichen Streicherklang, strahlendes Blech und warme Farbnuancen in der Holzbläserfraktion. Von Anfang bis Ende herrschte eine klare Interpretation. Die blockhaft geschlossenen Chorpartien kontrastierten wirkungsvoll mit den Soli, so dass der große lyrische Bogen der Messe großartig zur Geltung kam. Für diesen Bogen ist nicht zuletzt eine in sich geschlossene Solistenbesetzung notwendig. Mit Ingeborg Greiner (Sopran), Barbara Hölzl (Alt), Hugo Mallet (Tenor) und Thomas Dobmeier (Bass) war sie gefunden und bestens besetzt.

Himmlische Verbindung

Die Sopranstimme gestaltete berückend zarte Passagen und verband sich geradezu himmlisch mit dem schön dunkel gefärbten Alt. Der lyrisch-kraftvolle Tenorton harmonierte ebenfalls mit der empfindsamen Bass-Stimme. Perfekt entwickelte die Solistengruppe den geforderten flüssigen Ensemble-Klang. Solistisch konnten sich alle vier innerhalb der stark durchwobenen und ständig abwechselnden Kurzpartien, die Dvorák fast durchweg in die Chorsätze einbindet, auf den melodiösen wie klanglichen Einfallsreichtum des Tschechen verlassen.

Die Stille nach dem Schlussakkord bezeugte den Respekt vor dem Werk und der Leistung der Aufführenden. Der begeisterte Applaus würdigte das musikalische Engagement und den mitreißenden Einsatz der Beteiligten.


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Letztes Update: 2006-04-18