Amberger Zeitung 17./18.7.1999
Zurecht Blumen und
stürmischer Applaus
Amberger Oratorienchor und Franz Badura
liefen in Dreifaltigkeitskirche zu Höchstform auf.

Von Peter Neubauer
Amberg. "Hebe deine Augen auf " . . ., so sang der Amberger Oratorienchor
in der zweiten Zugabe, um sich auf diese Weise dem stürmischen Beifall vieler
Zuhörer zu erwehren. Der Tenor dieses Konzerts: Hebe deine Augen auf . . .,
diesmal aber nicht zu den Bergen Mendelssohn'scher Tonsatzkunst sondern zum
Amberger Oratorienchor! Er bewies wieder einmal, daß er nicht nur bei
Anwesenheit hochklassiger internationaler Solisten (wie in Verdis Requiern im
ACC) zu Höchstform auflaufen kann.
Auch bei einem "nationalen" Konzert ist die besondere Sanges- und Gestaltungskraft dieses Chores nun zum Vorschein gekommen. In allerbester Spiellaune präsentierte sich bei diesem Konzertabend auch Franz Badura an seinem Instrument, der Trompete, wo er in technisch brillanter Art die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hinriß.
Das Konzert begann mit drei vierstimmigen Sätzen, dessen freudiger Auftakt das "Lobt Gott getrost mit Singen" von Adam Gumpelzhaimer war. Vom ersten Ton an spürte der Chor den Tonmotiven hinterher, und erweckte so diese frühe mehrstimmige Musik zum Leben. Im "Laudate Dominum" Pitonis zelebrierte der Chor geschmeidiges An- und Abschwellen von Tönen, und demonstrierte so die hohe Kunst des a-capella-Gesangs. Dieser fand sich auch in drei Werken von Heinrich Schütz, dessen ihm eigene Harmonik und Rhythmik für den Sänger nicht leicht zu bewältigen ist. Doch der "AO" meisterte nicht nur schwierige Partien, sondern ging auch mit Gestaltungselan an diese Werke heran.
Zwischen jeweils drei Chorsätzen wurden drei Kompositionen für Orgel und Trompete eingebettet, die höchsten Unterhaltungswert geboten haben. Als erstes die Sonate in C von Viviani in fünf Sätzen, in dem beispielsweise die herrlichen Echopassagen der Trompete (zweiter Satz) die besondere Beschwingtheit barocker Tonkunst wiedergaben. Ein absoluter Hochgenuß die mit einem sehr weichen Ansatz und geistreichem Ausdruck strahlend gespielte Trompete von Franz Badura. Dem zur Seite stand Thomas Appel, dieses Mal nicht als Dirigent sondern als Organist. Sein Spielwitz und seine Registrierkunst
ließen die einzelnen Kompositionen meisterlich erklingen.Lediglich die Arie aus Händels Suite in D war ziemlich dick und fast mulmig anzuhören. Franz Badura leistete sich an diesem Tag keinerlei Schwächen und zeigte mit dem hohen Schlußton im Zusammenklang mit einem Orgelplenum, daß er Raum und Instrument fest im Griff hatte.
Doch auch dem Amberger Oratorienchor muß wieder einmal höchstes Lob gezollt werden Konzertchöre, die mit Orchestern musizieren,tun sich in aller Regel schwer, wenn es um wahre Sangeskunst, den a-capella-Gesang geht. Hierbei ist insgesamt gesehen eine viel höhere Disziplin und Konzentration des Chores notwendig. Der "AO" hat bei diesem Konzert denn auch gezeigt, daß er durchaus in der Lage ist, diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Das Konzert endete nach rund 70 Minuten mit romantischer Chormusik, dessen reiche Harmonik, den besonderen Reiz dieser Musik von Mendelssohn und Stanford ausmachen. Thomas Appel baut auf musikalischen Linien auf, deren Verfolgung für den Sänger wie dem Zuhörer leicht fällt. Er verzichtet gerne auf einen theatralischen Ausdruck, und läßt somit auch einfache Musik in schlichter Klarheit erstrahlen. Der Oratorienehor hat gezeigt, daß er die sängerischen Möglichkeiten hat, diese musikalisch
en Vorstellungen mit Begeisterung und Sangesfreude in ein wunderbares Konzert umzusetzen. Dafür gab es Blumen und zurecht viel Applaus.www.amberger-oratorienchor.de
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Letztes Update: 2000-08-15