Amberger Zeitung 14.04.2004

Überwältigende Eindrücke über die letzten Dinge
Internationale Junge Orchesterakademie mit 280 Künstlern für "Mahler zwei" in Weidener Max-Reger-Halle gefeiert

Ihr strahlendes Debüt als große Konzertfachsängerin gab inmitten von 280 Mitwirkenden der Internationalen Jungen Orchesterakademie die Weidenerin Sabine Lahm (links neben dem Dirigenten) bei Mahlers zweiter Symphonie, dirigiert von Miguel Gomez-Martinez (Mitte. Rechts die Altistin Lucy TAlor (Bild: Wilck)

Von Anastasia Poscharsky-Ziegler

Weiden. Der Applaus und die Ovationen am Ostermontag wollten fast kein Ende nehmen: fast fünfzehn Minuten lang applaudierten die 850 restlos faszinierten Zuhörer in der ausverkauften Max-Reger-Halle stehend den 140 Musikern aus 31 Nationen, den 140 Chorsängern aus der Region, feierten die beiden in Gold gekleideten Solistinnen Lucy Taylor und Sabine Lahm. Der spanische Dirigent Miguel Gomez-Martinez holte zum Schluss des größten klassischen Musikereignisses, das die Max-Reger-Halle in zwölf Jahren gesehen hat, auch die Chorleiter auf die Bühne, die ihre Chöre bestens vorbereitet hatten.

Dank an Sponsoren

Mit dem achtzigminütigen Monumentalwerk "Mahler zwei", der Auferstehungssymphonie, die besser zu Ostern ja nicht passen könnte, setzte sich das "Weltorchester auf Zeit" heuer besonders klangprächtig und sinnvoll für den Frieden und die Hilfe für schwerstkranke Kinder ein. Tatkräftig gefördert wurde die Veranstaltung durch die Sparkassen der Region und durch das Engagement des Rotary Clubs Weiden, der das Osterfestival vor zehn Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte, sowie durch die Unterstützung des Medienhauses "Der neue Tag".

Begrüßt worden war die stattliche Gästeschar von Falk Knies, dem Präsidenten des "Rotary Clubs Weiden", der die "Verbindung von Völkerverständigung und Humanität" von Anbeginn an unterstützt. An die Anfänge im April 1995 erinnert auch der Gründer und Leiter der Orchesterakademie und der mit ihr verbundenen Kultur- und Sozialstiftung, Professor Dr. Ulrich Schubert. Er dankte allen Sponsoren, ohne die das Projekt niemals seine heutige Stabilität erreichen hätte können. Selbst leidenschaftlicher Oboist, hatte Schubert heuer mit dem enormen Organisationsaufwand zum Jubiläumskonzert derart viel zu tun, dass er diesmal nicht wie früher selbst musikalisch mitwirken konnte.

Miguel Gomez-Martinez erwies sich schon beim ersten Satz mit Temperament und Strenge als der richtige Mann, der straff und temporeich seine jungen Musiker zur Höchstleistung beflügelte. Der musikalische Erfindungsreichtum Gustav Mahlers, der als Brucknerschüler seinen Meister wohl noch übertreffen wollte, und die reiche Besetzung des Orchesters schenkten starke, aber niemals übertriebene Effekte.

Dass von der Orgel wenig zu hören war, machte nichts angesichts des wogenden Streichermeeres, der lebendig agierenden Holzbläserfraktion, der satten Grundierung von sieben Kontrabässen, über das enorme Instrumentarium an Schlagwerkzeugen, bis zum imposanten Kontrafagott und die zwei Harfen, die attraktiv zur Geltung kamen. Zum zweiten Satz, einem verspielt hingeworfenen romantischen Ländler, vervollständigte sich das prächtige Podiumsbild durch den Aufmarsch der 140 Choristen und der zwei Solistinnen, um sich über den vierten Satz mit dem Solo der schottischen Altistin Lucy Taylor über das "Urlicht" und grenzenlose Gottessehnsucht zur Klimax fortzuschreiten.

Im Finalsatz kamen fünf renommierte Chöre der Region, darunter der Weidener Kammerchor (Leitung: Peter Pollinger), der Kammerchor Tirschenreuth (Maximilian Schnurrer), die Chorgemeinschaft St. Georg Pressath (Richard Waldmann), der Amberger Oratorienchor (Thomas Appel) und die Musica Vocalis Bayreuth (Manfred Hegen) zum Einsatz: im feierlich im piano kamen die geschulten Sängerinnen und Sänger zum Einsatz um das Thema der Auferstehung anzukündigen.

Mit maßvoll zunehmender Wucht verkörperten sie die Erfüllung aller christlichen Hoffnung, dem verklärten "Bereite Dich zu leben" und machten den geschlossenen Eindruck eines eng zusammengewachsenen Chores. Unter Dirigat von Olivier Tardy spielten sowohl ein Hornistenquartett wie ein Fernorchester aus dem Bühnenhintergrund mit plastischer Fernwirkung und kündigte den Jüngsten Tag an.

Gekrönt wurde das Finale durch das geniale und gut ausbalancierte Zusammenwirken aller Kräfte, die vom Dirigenten mit deutlichem Taktstockeinsatz geführt wurden. Nicht nur die Eltern Franz und Maria Lahm, sondern überhaupt viele Weidener, freuten sich im fünften Satz über den ersten offiziellen Auftritt durch einen überörtlichen Veranstalters von Sabine Lahm in ihrer Heimatstadt.

Deutlich gelöst

Die Sopranistin, die als Münchner Hochschulstudentin genau mit diesem Mahlerpart der großen Konzertliteratur schon diesen Februar im Münchner Herkulessaal aufgetreten war, sang zunächst unhörbar mit dem Chor mit, und löste sich dann deutlich von dem Hintergrund, setzte sich mit ihrem strahlenden und gut fundierten Sopran in der Rolle der auferstehenden Seele mühelos über das fortissimo der 280 Musiker hinweg und harmonierte farblich gut mit der schottischen Altistin Lucy Taylor.

Von dem Jubiläumskonzert wurden mehrere Aufzeichnungen angefertigt, um demnächst eine CD herausbringen zu können. Dem Konzert in Weiden folgen noch Aufführungen in der Basilika Waldsassen und in der Thomaskirche Leipzig.


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Letztes Update: 2004-04-14