Amberger Zeitung 13.11.1997
Konzert in
Dreifaltigkeitskirche war echtes Hörerlebnis
Oratorienchor und Sinfonietta in St. Georg:
Eine überdurchschnittliche Leistung
| Hörprobe: "Dies irae" | Real Audio (277 KB) | MP3 (1638 KB) |
VON STEPHAN BEIERL
Für das Konzert des Amberger Oratorienchores am vergangenen Sonntag hatte sich der bewährte Leiter Thomas Appel diesmal zwei Stücke ausgesucht, die thematisch eng mit dem Tod in Verbindung stehen. Im ersten Teil wurde das "Stabat mater" von Giovanni Battista Pergolesi dargeboten, das neben Palestrinas Komposition zu den bedeutendsten und populärsten Vertonungen der Klage um die unter dem Kreuz Jesu leidenden Maria zählt.
In dem mit zwei Solostimmen, Streichern und Basso continuo sehr zart instrumentierten Stück konnten vor allem die beiden Gesangssolistinnen glänzen. Schon im ersten Duett "Stabat mater dolorosa" mit seinen schmerzlichen, typisch neapolitanischen Sekunden-Zusammenstößen zeigte sich, daß beide Frauenstimmen hervorragend miteinander harmonieren. Überzeugend miteinander harmonieren. Überzeugend gerieten aber auch die Soloabschnitte. Vor allem im eher getragenen Vers "Vidit suum dulcem" konnte die Sopranistin Jutta Maria Fries die große Spannbreite ihrer voluminösen Stimme ausspielen, die lediglich in der Höhe gelegentlich etwas scharf klang. Die außerordentlich warme und sonore Stimmgebung der Altsolistin Gerhild Romberger war unter anderem im Abschnitt "Fac, ut portem Christi mortem" zu bewundern.
Sehr differenziert und intonationsmäßig sauber agierte die Sinfonietta Amberg, die durch Norbert Düchtel am Orgelpositiv unterstützt wurde. Der warme Streicherklang wirkte nie aufdringlich und mischte sich hervorragend mit dem Gesang. Sehr gut arbeitete Thomas Appel die für das Stück typisch kantablen, die sich ineinander verschlingenden Melodien und die punktierten lombardischen Rhythmen heraus' Zudem machten zahlreiche dynamische Abstufungen und gute Tempowahl das "Stabat mater" zu einem echten Hörerlebnis.
Der positive Eindruck setzte sich im zweiten Teil fort, in dem das "Requiem" von W. A. Mozart auf dem Programm stand. Da Mozart wegen seines frühen Todes im Alter von 35 Jahren nicht imstande war, das Werk zu vollenden, führte sein Schüler F. X. Süßmayr die Requiemvertonung nach Kompositionsskizzen des Meisters zu Ende.
Den vokalen Mittelpunkt des Werkes stellt eindeutig der Chor dar. Die wahrlich nicht leichte Aufgabe meisterte der Amberger Oratorienchor in gewohnter Weise sehr gut. Souverän wurde die von Koloraturen durchzogene Doppelfuge des "Kyrie" dargeboten. Äußerst mitreißend geriet auch Mozarts Vision des Jüngsten Gerichts im "Dies irae", die die gewaltigen Klangmassen des 65köpfigen Chores und des Orchesters heraufbeschworen. Am insgesamt recht homogenen Chorklang wären einzig der zum Teil etwas zu starke Sopran und der an einigen Stellen etwas unterpräsentierte Tenor zu kritisieren, was den guten Gesamteindruck aber kaum beeinflußte.
In den vom Solistenquartett gestalteten Partien zeigte sich abermals die gute Ausgewogenheit und Homogenität der Stimmen. Die beiden Sängerinnen konnten nahtlos an ihre makellose Leistung vom ersten Teil anschließen. Der Tenor Axel Mendrok bestach durch eine sichere und strahlende Höhe und eine schöne Stimmgebung in der Mittellage. Bei der Ausführung der Baßpartie durch Carl-Heinz Müller wäre ein etwas kraftvolleres tiefes Register zu wünschen gewesen. In der mittleren Lage mischte sich seine Stimme allerdings gut in den anderen drei Solostimmen, namentlich im lyrisch gehaltenen "Benedietus", das ohne Frage zu den Höhepunkten der Aufführung zu zählen war.
Das durch das Bläserensemble Würzburg ergänzte Orchester (demnächst als "Amberger Symphonieorchester" unter der Leitung von Thomas Appel zu hören) lief auch hierzu Höchstleistungen auf Vor allem beeindruckte die Ausdrucksvielfalt. Von der zarten und schlichten Begleitung der Solisten im "Recordare" durch Bassethörner und Streicher über die seufzerartigen Achtelfiguren der Violinen im "Lacrimosa" bis hin zu den erschütternden Klängen von Trompeten, Posaunen und Pauken und den rasenden Läufen der Streicher im "Dies irae" war das Instrumentalensemble stets äußerst präsent. Hervorzuheben ist hierbei das makellos vorgetragene Posaunensolo im "Tuba mirum".
Abermals souverän bewältigte Thomas Appel seine Aufgabe. Durch straffe Tempi erhielt er die Spannung aufrecht und hatte durch eine sichere Zeichengebung Chor und Orchester stets im Griff. Mitreißend geriet ihm neben dem "Dies irae" auch das "Confutatis maledictis" und die Doppelfuge des "Kyrie", wo jeder Themeneinsatz gut herausgearbeitet war. Nachdem nach den letzten Tönen des abschließenden "Lux aeterna" zuerst andächtige Stille und Ergriffenheit in der übervollen Dreifaltigkeitskirche herrschte, wurde die überdurchschnittliche Leistung aller Beteiligten schließlich durch langanhaltenden Beifall belohnt.
Gespannt sein darf man auf die Aufführung des Mendelssohn'schen "Paulus" am 24. Mai 1998 im ACC, wo Thomas Appel abermals den Amberger Oratorienchor und das neugegründete Amberger Symphonieorchester leiten wird.
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Letztes Update: 2000-08-15