Amberger Zeitung 13.03.2001

Leiden Christi in spannungsvoller Interpretation vermittelt
Amberger Oratorienchor und Sinfonieorchester brillieren mit ihrer Aufführung von Bachs "Johannespassion"

Eine faszinierende „]ohannespassion" boten der Amberger Oratorienchor und das Amberger Sinfonieorchester am Sonntag. Die Aufführung wurde präsentiert vom Medienhaus „Der neue Tag/Am berger Zeitung" (Bild: Unger)


VON PETER NEUBAUER

Amberg. Bachs , Johannespassion" ist eines der Monumentalwerke, deren Aufführung einen Chor vor höchste Schwierigkeiten stellt. Der Amberger Oratorienchor bewies nun einmal sehr zur Bewunderung der vielen Zuhörer, dass auch große Chöre gestalterisch sehr flexibel agieren können, und präsentierte sich mit einer enorm hohen dynamischen Bandbreite. Im Zusammenklang mit dem Amberger Sinfonieorchester und dem exzellenten Solisten war dann eine Passion zu hören, deren tragischer Inhalt als eine Art Botschaft in höchst spannungsvoller Interpretation vermittelt werden konnte.

Das Hauptaugenmerk dieser vortrefflichen Interpretation lag auf einer sehr zurückhaltenden Art des Musizierens. Es wurde keine Glorifizierung der Tonkunst von Johann Sebastian Bach angestrebt, um den. düsteren Charakter dieser Passion nicht zu stören. Es ging viel eher darum, die Passionsgeschichte zu „erzählen", wobei insbesondere der Tenor Karl-Heinz Brandt aus Basil einen untrüglichen Beweis dafür lieferte, wo er als Evangelist des Öfteren eine geniale Brücke vom rezitativen Gesang zum tonalen Gespräch geschlagen hat.

Wenn man die ersten Takte in „Herr, unser Herrscher" genau verfolgte, so war das Bestreben erkennbar, die Herrlichkeit Gottes in einer Art darzustellen, in der tiefer Ernst und große Strenge der dynamischen Entfaltung Einhalt boten. Nichtsdestotrotz brillierte der Chor mit derart exakten Einsätzen, sodass im Zusammenspiel eine außerordentlich faszinierende, weil dynamisch ausgewogene Einheit mit dem Amberger Sinfonieorchester erzielt werden konnte. Bachs „Johannespassion" gehört bekanntlich zu den Werken, die textlich betrachtet in seinem Ursprung zunächst reizlos waren, so dass sich der Komponist damals entschloss, einige mutwillige Änderungen einzubringen. So konnte er mehr Dramaturgie in das Werk, das im Wesentlichen nur eine Schilderung der Gerichtsszenen darstellt, bringen. Dem Chor oblag hierbei auch die teilweise sehr schwierige Aufgabe, die Rufe des  Volkes in die Dialoge zwischen Jesus und Pilatus einzustreuen, wobei dieser (bis auf eine unbedeutende Ausnahme eines Fugeneinsatzes im Tlenor) nicht nur durch seine sehr sicheren Einsätze, sondern auch durch sein stimmtechnisch ausgewogenes Profil enorm beeindruckte.

Das Solistenensemble war wiederum vom Feinsten. Jutta Maria Fries (Sopran) aus Hannover überzeugte mit ihrem souveränen Ausdruck ebenso,wie die für die erkrankte Altistin eingesprungene Michaela Wehrum aus Frankfurt, die lediglich in der Arie des ersten Teils durch die natürliche Dynamik der Bläser etwas erblasste. Beeindruckend dagegen ihre Arie über „Es ist vollbracht", bei der durch die Hilfe der sehr farbig wirkenden Gambe (gespielt von Gabi Ruhland) das Aufbäumen gegen den drohendenen Kreuzestod zu spüren var. Carl-Heinz Müller (als Jesus) und Bernd-Michael Tack (als Pilatus) verliehen mit ihren sonoren Bass dem Geschehen szenischen Charakter. Bemerkenswert beispielsweise auch die Bassarien, in denen der Chor die „Wohin"-Einsätze mit größter Exaktheit ausführte und dabei auch im dynamischen Ausdruck der bohrenden Frage Nachdruck verlieh, ohne den Sologesang jedoch zu stören. 

Auch in der Bassarie „Mein teurer Heiland" agierten Bass und Chor, der hier ein wunderbar ,weiches Piano erklingen ließ, in zartester Harmionik. Das Amberger Sinfonieorchester mit seiner ersten Konzertmeisterin Katharina Utta meisterte seinen Part mühelos, während Norbert Düchtel an der Truhenorgel unauffällig, aber stets hilfreich (insbesondere in den Rezitativen) agierte. Bachs "Johannespassion" war eine faszinierende Darbietung eines Dramas, in deren Verlaufe sich bis zum Kreuzestod eine knisternde Spannung im ACC unter den vielen Zuhörern ausbreiten konnte.


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Letztes Update: 2001-03-21