Amberger Zeitung 9.12.2003
Von Tonkaskaden bis
Stimmflimmern
Adventskonzert des Oratorienchores in
beeindruckender Qualität
Alte und neue Werke

Die Zuhörer in der Dreifaltigkeitskirche erlebten am Sonntagabend ein beeindruckendes Adventskonzert des Oratorienchores, der vom Streichquartett der Sulzbach-Rosenberger Musikschule unterstützt wurde. (Bild: Unger)
VON MARIELOUISE SCHARF
Amberg. „Groß" ist das passende Schlagwort für das Adventskonzert des Amberger Oratorienchores am Sonntagabend in der Dreifaltigkeitskirche. Schon der optische Auftritt hinterließ einen großartigen Eindruck: die Männerstimmen mittig platziert und sich im Fächer nach hinten öffnend. Rechts und links wie Flügel die Frauenstimmen angeordnet.
Ein mächtiger Chor mit über 70 Sängerinnen und Sängern, die sich ganz in Schwarz vor dem Altarbild aufgebaut hatten. Davor das Streichquartett der Musikschule Sulzbach-Rosenberg mit Hannah-Sophie Aures, Stephanie Kohl, Sebastian Maier und Christoph Pickelmann. „Machet die Tore weit" der Ruf dieses gewaltigen adventlichen Chorwerks hallte zum Eingang einmal in der Vertonung von Andreas Hammerschmidt (1612-1675) und dann in der Komposition von J. Heinrich Lützel durch das Kirchenschiff. Damit sollte aufgezeigt werden, „wie sich das musikalische Empfinden für den gleichen Titel innerhalb von 250 Jahren entwickelt hat", so war es in der Ankündigung zu lesen.
Dieser interessante Aspekt zog sich durchs ganze Programm. Komponisten von gestern und heute, von Johannes Eccard (1553 bis 1611) bis Benjamin Britten (1935) und Günter Raphael (1955) hatten und haben adventliche Lieder geschrieben oder bearbeitet. „Maria durch ein Dornwald ging" diese altbekannte Weise hat Letzterer mit einem Glocken klingenden „Kyrie Eleison" verbunden und so ein völlig neues Hörerlebnis geschaffen. Dafür waren aber natürlich auch und besonders die Sänger verantwortlich. Mit bewundernswertem Engagement und Konzentration, einer gelungenen Sprech- und Gesangstechnik interpretierten sie das wundervoll empfindsame Werk. Eine große Bandbreite von unterschiedlichsten und sehr anspruchsvollen Chorkompositionen bot das festlich gestaltete und sensibel ausgearbeitete Programm. Von gewaltigen Tonkaskaden bis zu elektrisierendem Stimmenflimmern beherrschte der harmonisch abgestimmte Klangkörper die unterschiedlichsten Färbungen. Wie aus einem Guss sangen sie. Wie eine geschlossene, hoch motivierte Einheit standen sie vor ihrem Leiter Thomas Appel. Der musste nur den Zeigefinger der rechten Hand ausstrecken und das leise Einstimmen begann. Ein Blickwechsel, ein Heben der Arme, volle Konzentration und „O Heiland reiß die Himmel auf" erscholl vielstimmig.
Beim Schlusschoral „Mache dich auf, werde Licht" begleitete Appel an der Orgel. Ihm und seinem Oratorienchor ist wieder ein großer Wurf gelungen mit diesem spannend und abwechslungsreich zusammengestellten Konzert. Einen Anteil an diesem Erfolg hatte natürlich auch das Streichquartett aus Sulzbach, das mit Mozart, Tschaikowsky und Stamitz beschwingt heitere Zwischenakzente zu setzen verstand. Das Konzert war ein wundervolles Geschenk für den zweiten Advent, so bewerteten die Zuhörer den Abend. Die Akustik war ausgezeichnet, der Besuch gut, die Darbietung ein Genuss, der Schlussapplaus ganz groß.
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Letztes Update: 2003-12-09