Konzert  8.11.1992

Herausragendes Werk stellte große Ansprüche
"Standing Ovations" für die Musiker
Requiem in deutscher Sprache

AMBERG Immer wieder beweist es sich, daß das Amberger Publikum sehr dankbar ist, wenn es um selten zu hörende Aufführungen vor Ort geht. "Standing Ovationes" gab es diesmal für die Wiedergabe von Brahms "Requiem in deutscher Sprache", das in der vollbesetzten Dreifaltigkeitskirche am (zu) frühen Sonntag nachmittag zu, belauschen war. Der Amberger Oratorienchor, verstärkt durch den Münsterchor Schwandorf und die Hofer Symphoniker unter der Direktion von Günther Jung gaben dabei ihr bestes.

Johannes Brahms komponierte sein herausragendes Chorwerk im schönen Wien. Die Texte zu seinem Requiem schrieb er als tiefreligiöser Mensch selbst unterteilte dann das Werk in die bewunderungswürdigen, formidablen sieben Sätze. Der erste Teil (Sätze 1 bis 3) ist der Trauer um das Vergehen des Lebens gewidmet, während der zweite Teil (Sätze 4 bis 7) die Spendung von Trost in der Verheißung des ewigen Lebens darstellt. Die Klarheit der formidablen Anlage und die tonliche Herbheit, die Brahms von Romantikem wie Bruckner, Wagner oder Liszt abhebt, sollten sich von tiefstem gläubigen Eindruck bis hin zu zündender Begeisterung steigern.

Diese Darstellung vom "Deutschen Requiem" gelang dem Amberger Oratorienchor mit den Hofer Symphonikern am überzeugendsten in den Sätzen zwei, sechs und sieben. Hier wußten Chor und Orchester zu gefallen. Beeindruckend das "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" mit seinem durchdringenden Thema, das jedem Zuhörer unter die Haut ging. Auch die Dramatik des "Dies irae" im sechsten, Satz, der sich von einem Chortrauermarsch bis hin zur der großartigen Chorfuge steigerte, war noch sehr gut dargestellt, Im Schlußsatz klang das Requiem dann so ruhig aus, wie es begonnen hatte. Überhaupt hatte der Chor  an diesem Nachmittag Schwerstarbeit zu verrichten. Wie eigentlich nur selten in der  Musikliteratur hatte er - trotz Solisten - einen riesigen Part zu bewältigen. Aufgrund akustischer Probleme entschloß man sich, auch zu einer ungewöhnlichen Choraufstellung. Die Tenöre und Bässe, die sonst gerne hinter Sopran, und Alt stehen, wurden von den Damen flankiert, ja, fast eskortiert.

Natürlich dürfen bei der Aufführung eines so großartigen Werkes einige kritische Anmerkungen nicht fehlen.  So bleibt meine Hauptfrage darin, warum man das Konzert (mit Rücksicht auf die Sänger) nicht etwas später angesetzt hat. Es ist bekannt, daß die menschliche Stimme am frühen Nachmittag einen nicht zu unterschätzenden Einbruch erlleidet Die Regenerierung dauert (im Vergleich zu Profis) bei Laien, erheblich länger, oft bis zum Abend. Die Steigerung des Chores nach einer Stunde spricht hier eine deutliche Sprache. Als Folge davon herrschte anfangs große Nervosität. Permanent zu spät kommende Einsätze, Chorabsprachen wie "t" und "s", die durch den Raum zischten, waren ebenso störend wie der gebannte Blick auf das Notenblatt, der die Gestik des Dirigenten ganz untergehen ließ. Dadurch ging die kraftvolle und spannungsgeladene Erwartung dieses Werkes verloren. Oft stand man sogar am Rande eines völligen Wurfes, so daß sich das ganze eher zu einer Zitterpartie entwickelte.

Das Orchester der Hofer Symphonker, das mit großer Besetzung antrat reagierte oft hervorragend auf Hinführungen zu Akkorden und Worten, doch zeigte sich der Chor nicht in der Lage, diesen so wichtigen romantischen Ausdrucksweisen zu folgen. Eher akustische Probleme sorgten häufig dafür, daß das Orchester zu laut war, den Chor oft unterdrückte. Auch die zierliche aber stimmgewaltige Sopranistin Margit Kinzel aus München wurde in ihrem herrlichen Solo "Ihr habt nun Traurigkeit" nicht immer in den zartesten Orchesterfarben untermalt. Das überzeugende Baritionsolo des Bayreuther G. Leykam litt unter den müden Einsätzen des Chores, so daß dieser Dialog nicht seine ursprüngliche Kraft erreichen konnte. Es wären sicher noch etliche Proben für den Chor notwendig gewesen, um die Nervosität abzubauen.

Trotz aller Kritik muß man den Sängerinnnen und Sängern aber dennoch großes Lob aussprechen, weil sie sich redlich daum bemühten, diesem monumentalen Werk gerecht zu werden. Von den Hofer Symphonikern und den Solisten konnte man eine solide Leistung erwarten. Ein Lob auch dem Publikum, das den Sängern mit "Standing Ovations" Mut machen wollte, ähnliche Aufführungen zu wiederholen. Ein Lob auch an Günter Jung, der die Notwendigkeit solcher Aufführungen für die Amberger Kulturszene längst erkannt hat, den Chor mit diesem Monumentalwerk an diesem Abend jedoch eindeutig überforderte.


www.amberger-oratorienchor.de   -   eMail: info@amberger-oratorienchor.de 
Web-Design:  mail@Josef-Bayer.de  |  www.Josef-Bayer.de
Letztes Update: 2000-08-04