Amberger Zeitung 8.6.2000
Mit sicherem Gespür für
Nuancen
Amberger Oratorienchor und Pianistin
Jelena Lichtmann ein Erlebnis

Der hoch motivierte Amberger Oratorienchor trat bei seinem Konzert mit sicherem Gespür für musikalische Feinheiten auf (Bild: Steinbacher)
=> Hörproben
VON PETER NEUBAUER
Amberg. Ihr weltliches Konzert mit Liedern von Haydn und Brahms wurde zu einem Hörerlebnis. Schlichtweg deswegen, weil der hoch motivierte Amberger Oratorienchor mit sicherem Gespür für musikalische Feinheiten auftrat, und weil zudem eine bravouröse Pianistin Jelena Lichtmann für ein Highlight anderer Art sorgte.
Zunächst ständen Haydns "Vierstimmige Gesänge" auf dem Programm, in denen der Chor mit feinem musikalischem Ausdruck vier Stücke zu Gehör brachte. Von Beginn anstand der Chor wie ein Mann hinter der Gestik seines Dirigenten Thomas Appel. Bei den Kompositionen war man mit Erfolg stets darum bemüht, Textvorgaben musikalisch zu beleben, sodass auch für den Zuhörer ein nicht enden wollender Farbteppich ausgebreitet wurde. Witzigerweise endete beispielsweise Lessings "Beredtsamkeit", nach der Wasser stumm machen soll, tatsächlich auch "stumm". Eine geradezu prächtige Farbgebung gelang dann in den vier Gesängen mit Klavierbegleitung von Johannes Brahms, wo man einen stilistisch ausgefeilten und romantisch geprägten Chorklang zu hören bekam.
Glanzpunkt waren sicher die"Zigeunerlieder" opus 103 von Johannes Brahms. Was da an einfallsreichen Gestaltungsfarben zu hören war, gleicht schon einem musikalischen Feuerwerk. Die Pianistin verstärkte gerade hier mit einem ungeheuerlichen Schwung die positiven Aspekte dieser Brahmschen Komposition. Auch wenn zwischenzeitlich (in den Sätzen-7 und 9) im Chor kleine Unsicherheiten zu vernehmen waren, so tat dies dem sehr positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Thomas Appel hat den Chor zu einem stabilen Klangkörper geformt, der vor allem in der Intonation (mit nur wenigen Ausnahmen im Tenor) überzeugte. Besonders die mannigfachen Nuancierungen beweisen, dass der Chor von seiner Substanz her derzeit auf einem sehr hohen Niveau musiziert.
Zwischen den Chorstücken zeigte sich Jelena Lichtmann an diesem Konzertabend als mutige, ja geradezu draufgängerische Pianistin. Dies betrifft insbesondere die pianistischen Paradestücke, die Ungarischen Tänze (g-Moll) und 5 (fis-Moll), die spontan zu großer Begeisterung mit Bravorufen der vielen Zuhörer führte. Da kamen doch Passagen dem Zuhörer entgegen, wo sozusagen Blitz und Donner gleichzeitig einschlugen! Fast todesmutig stürzte sie in das Brahmssche Klangmeer, und meisterte mit ungeheurer Sicherheit die schwierigsten Passagen.
Da vergisst man schon mal, dass auch ein so freudiges Werk wie die im ersten Teil interpretierte Sonate Haydns nicht auswendig gespielt worden ist, weil der Vortrag im Großen und Ganzen doch sehr frei und unbeschwert erfolgte. Jelena Lichtmann blieb in der Liedbegleitung trotz teilweise schwierigster pianistischer Ansprüche - wie kann das bei Brahms schon anders sein Herrin einer jeden Lage. So hat auch sie zu dem großen musikalischen Erlebnisabend in hohem Maße beigetragen.
www.amberger-oratorienchor.de
- eMail: info@amberger-oratorienchor.de
Web-Design: mail@Josef-Bayer.de
| www.Josef-Bayer.de
Letztes Update: 2000-08-15