Amberger Zeitung - 06.03.2007

Marielouise Scharf 

Vollendung einer Unvollendeten
Mozarts c-Moll-Messe in der Neufassung von Robert D. Levin begeistert im Amberger ACC



Ein hervorragender Oratorienchor und erstklassige Solisten führten in Amberg Mozarts c-moll-Messe in vollendeter Fassung auf (Bild: Steinbacher)

Es gibt Werke in der Musikgeschichte, die geben regelrechte Rätsel auf. Das nimmt diesen Werken aber in den meisten Fällen kaum die Popularität. Ganz im Gegenteil. Sie machen neugierig. Zu diesen Werken gehört auch Mozarts c-Moll-Messe.

Der geniale Komponist selbst ließ diese Kirchenmusik, die er im Sommer 1782 zu komponieren begann, und die 1783 in Salzburg aufgeführt wurde, seinerzeit unvollendet - und das wissentlich. Warum? Warum hat er die Messe nicht fertig geschrieben? Zeit genug hatte er auf jeden Fall. Und wie wurde sie in Salzburg aufgeführt? Fragen, die sich Generationen von Musikwissenschaftlern und Musikern im Lauf der Jahrhunderte stellten.

Gefeiert und umjubelt

Etliche namhafte Mozartkenner haben sich in wissenschaftlicher Weise damit beschäftigt, haben recherchiert, kommentiert, ergänzt. 2005 stellte nun der amerikanische Pianist Robert Levin seine Fassung der c-Moll-Messe vor. Und sie wurde gefeiert, bejubelt, und Levin als kongenialischer Geistesverwandter zu Mozart geehrt. Das 55-minütige Fragment erweiterte er zur kompletten Messe von 90 Minuten Dauer. Auch Thomas Appel, der engagierte und innovative Leiter des Amberger Oratorienchores, war von dieser Bearbeitung so "elektrisiert", dass er die Aufführung mit Chor, Orchester und Solisten wagte.

Im vollbesetzten Amberger ACC gab es am Sonntag die Erstaufführung der c-Moll Messe in der Neufassung von Robert D. Levin. Mit großem Einfühlungsvermögen und dramatischen Höhepunkten wurden der Oratorienchor und das Amberger Sinfonieorchester ihrem hohen Anspruch und ihrem hervorragenden Ruf bestens gerecht. Voll austrainiert, motiviert und inspiriert lieferten sie dynamische Transparenz mit theatralischem Instinkt.

Der Chor behielt auch während der kniffligen Partien bewundernswert die Übersicht und sorgte durchweg mit höchster Konzentration für klare Linien und lupenreine Intonation. Die Leistung der herausragenden Solisten gipfelte in den wundervoll verflochtenen Gesangslinien der Sopranistinnen Elaine Ortiz Arandes und Barbara Hölzl. Angenehm timbriert, weich intoniert und souverän aufeinander abgestimmt gefielen sie in Solo- wie Gruppenpartien.

Das "Laudamus te" war ein Hörgenuss der Sonderklasse wie auch das "Agnus Dei". Die Männerstimmen von Hugo Mallet (Tenor) und Thomas Dobmeier (Bass) harmonierten musikalisch und klanglich ebenfalls gut.

Lyrische Soprane

Während die Sopranstimmen ihre Qualitäten besonders im Lyrischen bewiesen, demonstrierten Tenor und Bass ihren Sinn für die dramatischen Passagen. Die geschulten Stimmen fügten sich geschliffen der souveränen Feinzeichnung des Dirigenten.

Der forderte auch Dramatik und Tonvielfalt vom äußerst aufmerksamen Orchester. Ob Streicher oder Bläser, die Balance von Instrument und Stimme war nicht einfach, wurde aber bestens gemeistert. Wirklich erstaunlich, wie gut die Harmonie und das Verständnis untereinander passten. Oratorienchor und Orchester (Konzertmeisterin Brigitte Gerlinghaus) unter der Leitung von Thomas Appel beeindruckten mit einem Klang voller Leuchtkraft und Farbigkeit.

Ausdrucksstark und ausgefeilt das düstere "Qui tollis", jubelnd und leicht beschwingt das "Gratias". Stimmungen von Schmerz und Geborgenheit, von religiöser Andacht und sensibler Innigkeit erfüllten den Raum. Was diese Aufführung unterm Strich auszeichnete? Die interpretatorische Individualität, die stringente, musikalisch überzeugende Konzeption, dazu die perfekte Konzentration, die schließlich den Abend zu einem Mozart-Musik-Erlebnis werden ließ.

Dank an Thomas Appel, Dank an alle Mitwirkenden. Sie haben sich wunderbar in die Welt Mozarts eingefühlt, seine facettenreiche Musiksprache getroffen und diese Erstaufführung der Neufassung in Amberg überhaupt erst möglich gemacht. Das Ergebnis war musikalisch interessant und überzeugte als ergänztes Ganzes. Langer, begeisterter Schlussapplaus.


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Letztes Update: 2007-03-06