Amberger Zeitung 5.12.2000

Großartige Wiedergabe barocker Tonkunst
Amberger Oratorienchor und Sinfonieorchester bieten Bach'sche Spitzenleistung


Das Amberger Sinfonieorchester, verstärkt mit einem exquisiten Bläserensernble, Chor und vier edle Gesangsolisten boten unter der Leitung von Thomas Appel eine beeindruckende Wiedergabe 
barocker Tonkunst.
(Bild: Unger)

VON PETER NEUBAUER

Amberg. Der im Jahr 2000 gefeierte 250. Todestag von Johann Sebastian Bach ist gleichzeitig mit dem 30. Gründungsjubiläum des Amberger Oratorienchores verbunden. Beide Jubilare wurden mit einem grandiosen Konzertgefeiert, in der nicht nur der Amberger Oratorienchor seine "Reifeprüfung" als Konzertchor mit Bravour bestanden hat, sondern gleichzeitig auch das viel umschriebene Bachjahr für Amberg einen würdigen Höhepunkt mit der höchst seltenen Aufführung aller sechs (!) Weihnachtskantaten gefunden bat. Das Amberger Sinfonieorchester, verstärkt mit einem exquisiten Bläserensernble, Chor und vier edle Gesangsolisten boten unter der Leitung von Thomas Appel eine großartige und beeindruckende Wiedergabe barocker Tonkunst.

Der Amberger Oratorienchor bot in diesem gigantischen Programm eine bisher nicht gekannte sängerische Spitzenleistung. Exaktheit in der Aussprache, keinerlei Intonationsprobleme, Höchstaufmerksamkeit bei Einsätzen und ein stets spannungs- wie auch ausdrucksvoller Gesang waren die Garanten für vier Stunden frohlockenden Bach (mit Pause). Gerade dieses enorme Stehvermögen ist der Beweis dafür, dass man inzwischen ein reifer Konzertchor geworden ist, der schon weit über die Grenzen Ambergs und der Oberpfalz hinaus bekannt ist.

Wenn man das Weihnachtsoratorium in seiner Gesamtheit betrachtet, so ist festzustellen, dass in Appels Vorstellung von Bach eine gesunde Synthese zwischen Instrumenten, Solisten und Chor und deren, Möglichkeiten gefunden worden ist. Hier war alles von scheinbarer Leichtigkeit geprägt, in der es keinerlei, nach außen strahlende Zwänge gegeben hat. Bach ist für Thomas Appel schwingend und temperamentvoll - und wenn es sein muss - auch besinnlich. Bach bedarf keiner künstlichen Exzesse in Tempi oder Deklamation, die, wenn sie aus einem natürlichen Verständnis heraus entspringen, fast wie von selbst in Erscheinung treten. Maßstab hierfür ist immer nur der Text alleine, dessen Sinn - eine christliche Botschaft - natürlich verstand und entsprechend umgesetzt werden muss.

So sei beispielsweise an die Arie des Tenors im zweiten Teil erinnert, in der, die Nachricht über die Geburt Jesu unter den Hirten die Runde machte, und diese nun geschwinde dahineilten, um diesem Ereignis beizuwohnen. Dieses Eilen wiederum wurde vom Solisten durch den koloraturreichen Gesang derart kunstvoll ausgedrückt dass e Botschaft darin durchaus auch ohne Text nachvollziehbar war. Andererseits nutzte man auch die räumlichen Gegebenheiten, um in der Echo-Arie des vierten Teils für einen Überraschungseffekt zu sorgen - der Versetzung der Soloaltistin auf die Empore. 

Das Amberger Sinfonieorchester bot eine solide Leistung, wobei lediglich die Phrasierung eines Motivs in der Tenorarie in Teil IV all zu spitz erschien. Erwähnenswert auch die Bläser (Trompeten, Flöten und Oboen), die für sehr viele Glanzpunkte gesorgt haben. Lediglich die Hörner warfen im Teil IV einen derben Schatten auf dieses sonst so großartige Konzert. Das vorzügliche Solistenquartett bestand aus Barbara Fleckenstein (Sopran), Michaela Dobmeier (Alt), Karl-Heinz Brandt (Tenor) und Thomas Ogilvie (Bass). Ihrem feinsinnigen künstlerischen Ausdruck war es anzumerken, wie sie mit dem Konzertraum "spielten", wie sie sich ihrer Stärken eines sonoren und Profil gebenden Gesangs in besonderer Weise bewusst waren.

Der positive Eindruck von harmonischer Geschlossenheit aller Mitwirkenden brachte am Ende die Überzeugung, dass man zum Bachjahr ein besonders glanzvolles Erlebnis von einem auBerordentlich denkwürdigen Konzert mitbekommen hat.


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Letztes Update: 2000-12-05