Amberger Zeitung 2. Juni 1995
Zum 25. Geburtstag Wiener
Charme statt Oratorium
"AO" feierte im Theater
Dandorfer: Den Namen der Stadt bis Rom getragen

Amberg. "Herein, herein in den Saal", lautete die Einladung des "Amberger Oratorienchors", und Freunde, Gönner wie auch Musikerkollegen ließen es sich nicht nehmen, den 25jährigen Geburtstag einer Amberger Institution mitzufeiern. Die Soirée im Stadttheater war geprägt von vielen heiteren Walzertakten, zwischen denen auch noch eine Anzahl Dankesworte ihren Platz fanden. Dr. Otto Blum nannte das Goethewort "Musik ist die schönste Offenbarung Gottes" als Leitsatz der Chorarbeit. Ziel des "AO" sei es, im Gemeinschaftserlebnis aus der Verantwortung den musikalischen Meistern gegenüber das Qualitätsniveau zu steigern und dies mit stimmtechnischer Gestaltung und musiktheoretischer Analyse zu verbinden. Gemeinsames Singen wirke der Vereinsamung entgegen, es könne sogar Depressionen verhindern, so der Vorsitzende, der sich hierbei auf eine Aussage von Yehudi Menuhin berief.
Das Geburtstagskind selbst präsentierte sich in Hochform. Es brachte sich und seine Gäste
durch charmante Komplimente statt eines tiefgründigen Oratoriums in die richtige Stimmung. Mit dem "Zigeunerbaron" von J. Strauß (Sohn) setzte er beschwingte Anfangs- und Schlußpunkte. Der "Festgesang" aus "Figaros Hochzeit" und besonders die Fughette "Gratulation" von G. Banco machten aber auch die Problematik deutlich, vor der die meisten Laienchöre heute stehen. Ein Durchschnittsalter von 51 Jahren läßt eine "Blutauffrischung" dringend geboten erscheinen.Gedanken zu diesem Thema äußerte auch Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer der im Namen aller Bürger und Bürgerinnen der Stadt seinen Dank an die Sänger und Sängerinnen des Chores richtete. Der "AO" sei aus dem "internen Kulturleben nicht mehr wegzudenken". Schließlich habe er" den Namen der Stadt von Schwandorf bis Rom getragen". Chorsänger und einen Dirigenten zu finden, sei heute nicht selbstverständlich, meinte der OB. Er fände es "traurig", daß das reichhaltige deutsche Liedgut kaum an die Jugend weiterzugeben sei. Der "AO" solle dies als Herausforderung betrachten. Zur Sicherung der nächsten Notenanschaffung
überreichte das Stadtoberhaupt eine persönliche Spende.Auf den "beschwerlichen Prozeß von der Fremdsprache der Noten zum Konzert" wies der Vizepräsident des Fränkischen Sängerbundes, Walter 0. Neumann, hin. Mit dem Dank für 25 Jahre treues Engagement nahm er die Ehrung der Gründungsmitglieder vor: Dr. Otto Blum, Günther Jung, Anna Baldermann, Rosalinde Blum, Ingeborg Flechsig, Gertrud Helbig, Annemarie Lang, Marianne Lang, Maria Schram, Josef Dotzler, Erich Hiltl, Bruno Martin, Ambros Strehl und Jürgen Trapp.
Instrumental gratulierte das "Trio con brio" mit J. Haydns Klaviertrio C-Dur. Heidi Braun sorgte mit ihrer Violine für das Temperament in den schnellen Sätzen, Peter K. Donhauser wußte im zweiten Satz auf dem Cello die warmen Töne zu gestalten und Johannes Schofer übernahm am Flügel die virtuose, manchmal etwas zu kräftige Führung. Der angekündigte Vortrag über den "Laienchorgesang in Vergangenheit und Gegenwart" fiel leider einem Schwächeanfall des Referenten zum Opfer. Der beherzte Sprung von MdL Heinz Donhauser und seiner Frau von der ersten Sitzreihe aus auf die Bühne - in theaterreifem Timing - bewahrte den jungen Wissenschaftler vor Verletzungen.
In der "Straußiana" von R. Lampart, einer Hommage an J. Strauß aus dem Jahr 1928, gesellten sich zu den zuverlässig begleitenden Händen von Wolfgang Herrneder am Flügel noch die Hände von Oliver Prechtl. Beide zusammen assistierten dem Chor mit Akzenten im Dreiertakt. Das Schlußwort hatte Günther Jung, der Gründer und Leiter des Chores über 15 Jahre hinweg. Er dankte "seinem" Chor für die idealistische Mitarbeit und bat die Mitglieder, "immer wieder ein neues Feuer der musikalischen Leidenschaft zu entzünden". An das "inspirierende Publikum" erging ebenfalls ein Dank, verbunden mit der Einladung im Chor mitzusingen.
Beim anschließenden Empfang im akustisch interessanten Foyer zeigte sich, daß auch die Gäste mit Unterstützung des Gastgebers durchaus in der Lage waren, einen Geburtstagskanon erklingen zu lassen. Außerdem konnte die Gelegenheit von Laien- und Profimusikern, von Chorleitern und Musikpädagogen genutzt werden, um mit den Politikern aus Stadtrat und Landtag ins Gespräch zu kommen. Die Notwendigkeit solcher Kontakte beweist die Geschichte. Musik hat immer Mäzene gebraucht, um ihre heilsame Wirkung voll zu entfalten. Dies war am Sonntag abend nicht anders.
Hannelore Zapf-Wolf
www.amberger-oratorienchor.de
- eMail: info@amberger-oratorienchor.de
Web-Design: mail@Josef-Bayer.de
| www.Josef-Bayer.de
Letztes Update: 2000-08-05