Amberger Zeitung 1.2.2000

Gekonnte Wiedergabe Händelscher Tonkunst
Stürmischer Applaus für "Messias"-Aufführung
des Amberger Oratorienchors und Sinfonieorchesters

Messiah-Aufführung vom 30.1.2000

Eine außergewöhnliche Aufführung erlebten die Besucher der Amberger Dreifaltigkeitskirche. In ungekürzter Fassung und in englischer Sprache präsentierten der Amberger Oratorienchor und das Amberger Sinfonieorchester den "Messias' von Händel. (Bild: Unger)

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VON PETER NEUBAUER

Amberg. Zu einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis wurde die englischsprachige Aufführung von Händels ungekürzter Fassung des Messias in der Amberger Dreifaltigkeitskirche. Dabei präsentierte sich der Amberger Oratorienchor zu seinem 30-jährigen Jubiläum in noch nicht gehörter Topform. Wie schon bei der Uraufführung dieses Werkes in Dublin anno 1742 waren auch diesmal gut 100 Zuhörer mehr in der bereits überfüllten Kirche. Unter Leitung von Thomas Appel gestaltete das glänzend aufspielende Arnberger Sinfonieorchester, das durch herausragende Bläser und Gesangssolisten verstärkt wurde, die dreieinhalbstündige Jubelfeier.

Händels Werk umfasst drei Teile, die das Leben des Messias von seiner Geburt bis zu seinem Tod in indirekter Form beinhaltet. Dabei sollte die englische Sprache diesem Werk zu einem unvergleichlich weichen und samtigen Ausdruck verhelfen. Der erste Teil beginnt mit der Prophezeiung des kommenden Erlösers in einer von Dunkelheit geprägten Welt, so dass die Ouvertüre in seiner rhythmischen Anlage diese eher depressive Stimmung widerspiegelt.

Schon dieser erste wichtige Eindruck wurde vom Amberger Sinfonieorchester mitfühlend wiedergegeben. In der gekonnten Wiedergabe Händelscher Tonkunst wurden lediglich in der Bassarie "For behold" die Seufzermotive des Orchesters etwas zu flüchtig interpretiert, was aber schon in der weihnachtlich zarten Pastoralsymphonie wieder vergessen war.

Im zweiten Teil kam dann der dramatische Ausdruck über das Leben und den Tod Jesu zur Geltung. Dabei meisterte das Orchester beispielsweise in der Bassarie "Why do the nations" einen ziemlich schwierigen Part, in dem sich die ganze Aufregung und der Zorn des Volkes widerspiegelte. Beim berühmten Abschluss des zweiten Teils erfreute das schmissige "Hallelujah" in flottem Tempo. Befürchtungen, dieser Chorsatz könnte zu schwulstig werden, mussten einer absoluten Bewunderung für den sehr transparenten Vortrag weichen.

Der Chor fiel durch eine kaum möglich gehaltene Leistung auf, zumal gerade er schon schwere Zeiten mit teilweiser harscher Kritik zu überstehen hatte. Und jetzt dieses tadellose, ja grandiose Konzert. Der verjüngte Chor machte von Beginn an einen unglaublich frischen Eindruck und überzeugte mit einem sehr spannungsreichen und lebendigen Vortrag. Absolute Gewinner an diesem Abend waren die Chordamen, die sich in einer bisher noch nicht so gehörten Form präsentierten. Sie waren die große Stütze, glänzten in den Höhen und waren stets hellwach und aufgeweckt bei ihren Einsätzen. Lediglich den Herren hätte man an einigen wenigen Stellen etwas mehr stimmliche Potenz gewünscht.

Auch das Solistenquartett war eine Extraklasse für sich. Erfreulich die sehr harmonische Übereinstimmung ihrer stimmlichen Anlage. Sehr weiche und sonore Klänge, gepaart mit einem ausdrucksvollen Vortrag, ließen die Zuhörer aufhorchen. Die strahlenden Stimmen von Jutta Maria Fries (Sopran) und Axel Mendrok (Tenor) sowie die sehr tragenden und dynamisch wirkenden Stimmen von Michaela Dobmeier (Alt), sowie Carl-Heinz Müller (Bass) boten in Arien und Accompagnatos eine Ohrenweide.

Der dritte und letzte Teil behandelt die Erlösung aller Sterblichen und gilt als Reflexion der beiden ersten Teile. Darin fällt besonders die Bassarie "The trumpet shall sound" auf, in der unter anderem der sehr feinsinnig agierende Trompeter in einem musikalischen Dialog sehr genussvoll musizierte. Im letzten Chorsatz "Worthy is the lamb" kam es zum festlichen Ausklang mit zwei großen Fugen. Der monumentale Schluss riss die Zuhörer zu stürmischem Applaus für eine sehr beeindruckende Jubiläumsfeier hin. Das war eine geballte Ladung glorreichen Amberger Kulturschaffens!


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Letztes Update: 2000-08-15