Amberger Zeitung 05.01.2010
Musikalisches Feuerwerk zum
Jahreswechsel
Amberger Sinfonieorchester begrüßt 2010
mit populären Werken und Stücken für Spezialisten
von Johann Frischholz

Amberg. Die Ouvertüre zu "Donna Diana" von Emil Nikolaus von Reznicek, die Thomas Appel als Auftakt für das Silvesterkonzert im Stadttheater ausgewählt hatte, kam leider etwas brav und bieder daher und ließ noch nichts von dem Feuerwerk erahnen, dass das Amberger Sinfonieorchester im zweiten Teil abbrennen würde. Dabei wäre in dem populären Werk - zu Zeiten von nur drei Fernsehkanälen sozialisierte Zuhörerer erkannten die Melodie als Titel eines damals beliebten Musikratespiels - mit seinen beschwingten, fast mendelssohn-elfenhaften Rhythmen mehr gesteckt.
Aber schon beim zweiten Stück, dem Hauptwerk des Abends im Stadttheater, dem 4. Cellokonzert von Georg Goltermann, zeigten die Musiker dann, was in Ihnen steckt. Schwungvolle Melodiebögen, angenehm temperiert gespielt, kontrastierten mit dem Solo-Cello von Michael Rupprecht. Dieses G-Dur-Konzert des Cellisten und Komponisten Goltermann ist leider nur wenigen Spezialisten bekannt. Es hätte verdient, gerade wegen seiner Eingängigkeit und musikalischen Spannung, öfter in den Konzertprogrammen aufzutauchen.
Den zweiten Teil bestimmten dann die wirklichen Gassenhauer. Franz von Suppés "leichte Kavallerie" kam schmissig daher wie der Herr Leutnant auf dem k. u. k.-Manöverball. Akzentuiertes Blech und rhythmische Streicher bestimmten dieses beliebte Stück aus der heiteren Musikküche. Dann knallten endlich die Champagner-Korken. Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Operette "Orpheus in der Unterwelt" hat schon Generationen von Ballgängern mitgerissen. Und das Orchester schien zu rufen: "Yes, we can Can-Can!"
Ein ebenso unverzichtbarer Ball-Höhepunkt ist die "Schöne blaue Donau" von Johann Strauß Sohn. Hier, wie bei der als Zugabe gespielten Tritsch-Tratsch-Polka, ließ das Orchester allerdings ein gewisses Mindestmaß an Homogenität vermissen. Auch fehlte der nötige Schwung, den man vom Walzerkönig gewohnt ist, so dass der majestätische Strom nur sehr gemächlich dahindümpelte.
Das Publikum war aber bester Stimmung und so konnten die Musiker des Amberger Sinfonieorchesters erst nach mehreren Zugaben die Bühne verlassen und selber zur Silvesterfeier gehen. Neben der bereits erwähnten Tritsch-Tratsch-Polka gab es noch einen wunderbar schmissigen Ungarischen Tanz von Johannes Brahms zu hören - und natürlich den obligatorischen Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater.
Insgesamt gesehen war es - abgesehen von den wenigen Schönheitsfehlern - ein feierlich-festliches Konzert zum Jahresabschluss. Ein Solist, der die Wärme und die Klangfarben seines Instruments auslotete, ein Orchester, das im Solokonzert wirklich als Begleitung fungierte und in den Ensemblestücken ein relativ hohes Maß an Zusammenspiel zeigte, und ein Dirigent, der seine Musiker mit fester Hand im Griff hatte. So soll ein Konzert sein, das schon jetzt Lust auf den nächsten Auftritt macht.
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Letztes Update: 2010-02-21