Amberger Zeitung 2.1.2009

Amberger Sinfoniker brennen Feuerwerk der Musik ab
Berauschendes Silvester-Konzert im vollen Stadttheater
Zum Abschluss gibt es den Radetzky-Marsch

Seit zehn Jahren beweist das Amberger Sinfonieorchester, dass anspruchsvolle und doch unterhaltende Musik auch in der so genannten Provinz gemacht werden kann. Bild: Unger

Von Marielouise Scharf
Amberg. Was für ein Glück, dass Amberg ein Sinfonieorchester hat und das schon seit zehn Jahren! Unter der Leitung von Thomas Appel stellten die Amberger Sinfoniker schon in diversen Konzerten ihre Qualität unter Beweis. Am Silvesterabend aber, da zündeten sie Leuchtraketen im voll besetzten Stadttheater. Ein Feuerwerk an glitzernden Melodien, funkelnden Tänzen und schillerndem Trompetenklang bestaunten und bejubelten die Besucher. 
Ein Silvesterkonzert folgt eigenen Spielregeln. Es soll vor allem unterhalten mit Schwung, etwas Melancholie ist erlaubt, und vor allem muss Optimismus mitschwingen. Die Amberger Sinfoniker musizierten unter Thomas Appel in unendlich beglückender Weise. Wie unfassbar leicht, schwebend, präzise und doch temperamentvoll sie die Johann Strauß Kompositionen spielten, das war einfach himmlisch! Jeder Ton voller Spannung, jede Stimme ein Jubilieren, die Harmonie des Orchesters die größtmögliche. 
Das Dirigat Appels war temporeich und doch in erstaunlich gelassener Gestik, als wenn es das Allerleichteste sei, so zu lenken und so zu musizieren. Mit ausgewogener akustischer Abstimmung gab er den Instrumentengruppen Gelegenheit, ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Sein klug eingeteiltes Dirigat – ein Augenkontakt schien bisweilen zur Verständigung zu genügen – zeigte völlige Beherrschung des vielseitigen Programms. Voller Staunen erlebten die Zuhörer, wie das Schwerste das Leichteste wurde und das Leben freundlicher als an jedem anderen Tag. Alle haben Spaß an dieser Musik und am Musizieren, die Musiker untereinander, die immer wieder ein Lächeln aufsetzen und voll in den Straußkompositionen aufgehen. Und das Publikum, das sich von soviel Charme nur zu gerne verzaubern lässt. Aufsehenerregend und phänomenal die Polowetzer Tänze, die den Namen des Komponisten Alexander Borodin auch außerhalb Russlands bekannt machten. Gewaltiger Facettenreichtum, stürmisches Temperament, elementare Wucht und sanfte Hingabe bündelte das Orchester perfekt.Die Interpretation gelang großartig. Geradezu traumhaft konzentriert und innig inspiriert wurde da musiziert. Das galt an diesem Abend ebenso für die Wilhelm Tell Ouvertüre von Rossini (Am Cello Michael Rupprecht) oder dem berühmten Konzert in Es-Dur für Trompete und Orchester von Johann Nepomuk Hummel. Solist war Georg Birner, ein „alter“ Amberger, der mittlerweile als arrivierter Musiker beim Münchner Rundfunkorchester Stars wie Anna Netrebko und Rolando Villazon begleitet hat. Deutlich mit gesundheitlichen Problemen kämpfend, und von einem technischen Malheur irritiert, wurde sein Auftritt doch zum großen Erlebnis des Abends. Mit großer Eleganz im Auftreten wie im Spiel, mit bezwingender musikalischer Intensität, tiefem Ernst und Konzentration meisterte er das schwierige Stück, wenn ihm auch ab und zu der „lange Atem“ fehlte. Im Rondo spielte er seine Souveränität und Virtuosität voll aus. Das Spiel faszinierte durch seine nuancierte Tongebung, die gleichermaßen kräftig strahlende Klänge wie auch sanfte leise Töne umfasste. Das Zusammenspiel mit dem Orchester wurde zur Delikatesse. Mit dem Radetzkymarsch als „Kracher“ wird traditionell das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker beendet. Die Amberg Sinfoniker machten das ebenso und wurden vom Publikum für dieses mitreißende Konzert mit Beifallraketen gefeiert.  


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Letztes Update: 2010-02-21