Amberger Zeitung 2.1.2006
Werke der Hochromantik glänzend
interpretiert
Amberger Sinfonieorchester brilliert zum
Jahreswechsel mit "Peer Gynt"- und "Carmen"-Suite

Von Johann Frischholz
Amberg. Zum Ausklang des alten Jahres setzte das Amberger Sinfonieorchester noch einen Glanzpunkt für die Freunde klassischer Musik. Mit der "Peer Gynt"- und der "Carmen"-Suite standen zwei Werke der Hochromantik auf dem Programm, die Bühnenmusiken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entnommen waren.
Edvard Grieg wurde von missgünstigen Kritikern schon zu Lebzeiten vorgeworfen, dass er mit seiner Musik zu Ibsens Drama "Peer Gynt" die Grenze von der Romantik zum Kitsch überschritten habe. Diese Feststellung mag wohl nicht zuletzt an den Interpretationen durch die zeitgenössischen Dirigenten gelegen haben.
Thomas Appel als musikalischer Leiter des Amberger Sinfonieorchesters folgte diesem Weg nicht. Im Gegenteil: Seine Interpretation der Suite war geprägt von ungewöhnlicher Transparenz und Klarheit, ohne kitschigem Pathos, dem viele seiner Kollegen gerade beim ersten Satz, der "Morgenstimmung", verfallen. Seinem Dirigat mit eindeutigen Gesten folgten die Musiker auch beim Finalsatz "In der Halle des Bergkönigs". Thomas Appel, sichtlich selbst leidenschaftlich hingerissen, trieb das Orchester zu einem furiosen Crescendo an, das seine Zuhörer begeisterte. Als kleines Intermezzo fungierte das Rondo für Violine und Streichorchester in A-Dur von Franz Schubert. Als Solistin gewannen die Amberger Sinfoniker hierfür die Juillard-Absolventin Valerie Rubin, die dieses verspielte Stück, das der Vollender der Wiener Klassik im jugendlichen Alter von nur 19 Jahren komponiert hat, heiter-beschwingt interpretierte. Die junge Violinistin übernahm auch die Solistenrolle in der elegischen Nocturne der anschließenden Carmen-Suite von Georges Bizet und zeigte damit die ganze Bandbreite ihres Talents. Auch hier bestach das Amberger Sinfonieorchester durch eine Klarheit, die ihresgleichen sucht. Ob im populären "Chanson des Toréador", im zackigen "La Garde Montante" oder in der lyrischen "Habanera", die Musiker zeigten sich von ihrer besten Seite: harmonisch in den temperamentvollen Tutti des Werks und einfühlsam in den leiseren Passagen. Die Streicher spielten klar akzentuiert, vor allem in den vielen Pizzicatostellen, die für diese "spanische" Oper typisch sind. Die Bläser zeichneten sich durch ein hohes Maß an Akkuratesse und Genauigkeit aus.
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Letztes Update: 2006-02-01