Amberger Zeitung 2.1.2004

Zum Jahresschluss ein fulminantes Royal Flush
Amberger Sinfonieorchester spielt sich an Silvester im Theater mit bravouröser Leistung in Herzen der Zuhörer

 Ein großes Ensemble mit einer großen Leistung: Uneingeschränkt glanzvoll präsentierte sich das Amberger Sinfonieorchester bei seinem Silvesterkonzert am Mittwochabend im Stadttheater. Im Sturm eroberten die Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten Thomas Appel die Herzen der Zuhörer und wurden am Ende mit donnerndem Applaus belohnt (Bild: Steinbacher)

VON MARIELOUISE SCHARF 

Amberg. Thomas Appel hatte die musikalischen Karten gemischt. Mit dem Amberger Sinfonieorchester, dessen Chef er ist, zog er dann am Silvesterabend nur Trümpfe aus dem Ärmel. Im ausverkauften Stadttheater präsentierten der Maitre und sein Ensemble mit Werken von Tschaikowsky, Liszt und Dvofäk ein wahres Royal Flush.

Von Peter Tschaikowskys Ballettmusiken behauptet sich die Nussknacker-Suite auch auf dem Konzertpodium. Die Stücke sind allesamt bezaubernd und geistvoll. Und genauso haben Appel und sein Gefolge die melodischen Einfalle des Komponisten auch umgesetzt: Mit einer fast durchscheinenden Leichtigkeit die „Ouvertüre miniature", zierlich den „Marche", heftig und im wilden Schlusswirbel den „Trepak", in schrillen Flöten tönen und grazilen Pizzicati den „Danse Chinoise" und schließlich lustig und temperamentvoll die reizende Melodie des „Danse des Mirlitons" Ein Start, wie er schwungvoller und fröhlicher nicht sein konnte.

Unerhört leidenschaftlich

Das nächste Ereignis war die Pianistin Jelena Lichtmann. Die in Amberg lebende Künstlerin erschuf im „ersten Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur" einen neuen, eigenwillig geprägten Franz Liszt: kraftvoll akzentuiert, unerhört leidenschaftlich, anrührend sensibel. Mit unglaublicher Klavierpotenz beschwor sie eine machtvoll rhythmische Parallelwelt, kommunizierte mit den Instrumenten des Orchesters in brillanter Art und Weise und schwelgte in erregenden Läufen des Soloinstruments.

Bei aller Dominanz des großen Konzertflügels, die Karten behielt Maestro Appel in Händen. Er vermochte es, das Sinfonieorchester auf Kurs zu halten, charakteristische Motive brillant herauszuheben und den Klavierkaskaden die glitzernden Funken 'des Orchesters beizumengen.

Die dritte Trumpfkarte hieß „Achte Sinfonie in G-Dur, op. 88 " von Antonin Dvorak. Diese vierteilige slawische Rhapsodie ist gespickt mit einer Überfülle von Themen und Motiven. Fröhlich, poetisch, temperamentvoll, traurig, pompös, turbulent will es der Komponist. Der Spagat zwischen böhmisch gefärbt und romantischem Schwung gelang grandios. Jung und frisch, voll musikalischem Elan und ohne jeden Bombast spielten die Musikerinnen und Musiker sich in die Herzen des Publikums. Es gelang ihnen, die musikalischen Abschnitte abwechslungsreich und individuell zu gestalten.

Glanzvolles Finale

Ein glanzvolles Finale zum Jahresende 2003 war dieses Konzert mit einem bravourösen Dirigenten Thomas Appel, einer unvergesslichen Klaviervirtuosin Jelena Lichtmann und dem überaus motivierten und brillant agierenden Amberger Sinfonieorchester. Nach zwei Zugaben, „Slawische Tänze" und „Radetzkymarsch" brach der Jubel im Zuschauerraum richtig los, noch bevor Raketen und Böller das neue Jahr begrüßten.


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Letztes Update: 2004-01-29